Balve erleben. Die Broschüre

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Historische, ökonomische, biografische Sehenswürdigkeiten in Kurzform. Sehens- und hörenswertes, Welt der Höhlen, Wanderfreuden, Essen & Trinken, Theater & Spiele, Vergnügen & Unterhaltung, Gesundheit, Bewegung & Sport, Kultur & Freizeit
 
Die Broschüre "Balve erleben" wird überarbeitet und ist demnächst zu beziehen.
Sie basiert auf dem nachfolgenden Text.

Grafik: Werner Ahrens

"Balve erleben" ist ein Zeitdokument. Die Broschüre wurde 2003 erstmals vom Verkehrsverein Balve veröffentlicht (Verfasser: Hans-Hermann Hochkeppel u.a). Auf Belege wurde weitgehend verzichtet, dem Charakter einer Werbebroschüre entsprechend. Nicht alle Details sind wissenschaftlich abgesichert, manches basiert auf Überlieferung, Deutung und Anekdoten (erste Nennung Balves im 9. Jhdt, Entstehung/Funktion der Höhlen, Wieland der Schmied im Hönnetal, etc.).

Der Text soll nun als Printausgabe für Gäste und Balver in überarbeiteter Form neu aufgelegt werden. Finanzielle Unterstützung ist von der Sparkasse im Märkischen Kreis zugesagt. Im Respekt vor der Leistung der Autoren wird der Text überwiegend originalgetreu wiedergegeben (Kapitel I - IV). Lediglich neue Überschriften und aktuelle Fotos wurden eingefügt. An einigen Stellen wurden erklärende Kommentare eingefügt und sachliche Korrekturen vorgenommen (alle Kommentare und Ergänzungen des Textes in kursiver Schrift).

Neu ist das Kapitel über die Dörfer rund um Balve - das "Balver Land" mit seinen Sehenswürdigkeiten, ebenso ein Kapitel zur Kulturgeschichte des Hönnetals und die Rüstungsprojekte in der NS-Zeit.

Balve, im Mai 2017
Adalbert Allhoff-Cramer, Geschäftsführer 

Sechs Dörfer und eine Stadt - 
das Balver Land in Bildern

 


I. Herkunft und Geschichte

Frühgeschichte, Herkunft des Ortsnamens, Stadtmauer, Entwicklung des Stadtbildes, Drostenhaus und Drostenplatz ("op dem Plasse"), Zeit der Hexenprozesse, Geschichtliches aus der Neuzeit  


II. Balve: Sehens- und hörenswert

Altes Rathaus, Balver Glockenspiel, Hoffmeister-Pröpper-Brunnen, Alte Drostei, Drostenhaus, Haus Drei Könige, Lohgerberhaus, Altes Hospital, Cordes Haus (Standesamt), Bürgerbrunnen in der Drei-Königs-Gasse, Kirchplatz, Pfarrkirche St. Blasius, Alte Bürgerhäuser, Kaiserliches Postamt, Denkmalschutz in Balve 


III. Die Umgebung - das Balver Land

Die olle Borg (Burgberg), Wasserschloss Wocklum, Reitanlagen, Luisenhütte, Kalköfen Horst, Rittergut Eisborn, Kloster Oelinghausen, Aussicht vom Ebberg, Hof Tillmann Grübeck, Mühle unter Burg Klusenstein, Haus Recke im Hönnetal, Das Golddorf: Mellen und der Sorpesee, Energie im Balver Land: Mühle Gransau, Trafostationen Balve, Jungferngut Garbeck, Alte Mühle Langenholthausen, Motte Küntrop, Flandrischer Altar Affeln


IV. Natur-, Kultur-, Kulthöhlen

Entstehung der Höhlen im Massenkalk, Balver Höhle, Karhofhöhlen, Burschenhöhle, Reckenhöhle, Leichenhöhle, Schlafhöhle, Tunnelhöhle, Feldhofhöhle, Friedrichshöhle, Große Burghöhle, Dietrich- und Wielandsage


V. Kleine Kulturgeschichte des Hönnetals

Das Hönnetal als Grenzland, Das romantische Hönnetal, Die „Schutzaktion des Hönnetals“, Blick in die Kalksteinbrüche, Die Balver Höhle und die "Höhlenspiele"


VI. Dunkle Zeiten im Hönnetal

Flugbenzin aus Schwalbe1, Geplante Sprengung der Balver Höhle

 

VII. Bronzetafeln und Brunnen im Stadtbild


So fest wie Balve

 


Für die Broschüre in der ersten Auflage von 2003 zeichnen verantwortlich: 
Herausgeber und Copyright: Verkehrsverein Balve e.V.
Redaktion: H. H. Hochkeppel, B. Triska, B. Meschede, R. Golücke
Zeichnungen, Drucke: H. H. Hochkeppel, W. Ahrens
Fotos: R. Elmerhaus, R. Golücke, M. Büchsenschütz
Umschlaggestaltung: www. plakart.de
Druck: Zimmermann Druck & Verlag GmbH

 

 

Vorwort:  Balve - eine lebendige Stadt

Vor 350 Millionen Jahren bedeckte Westfalen ein warmes Flachmeer. Korallenriffe vor seiner Nordküste boten vielen Meerestieren Lebensraum. Aus ihren Kalzitschalen entstanden in Jahrmillionen gewaltige Massenkalklager. Bei Eisborn erreicht der Massenkalk eine Tiefe von über 1000 m. Balves Stadtmitte liegt am südlichen Ausläufer dieses Lagers.

Die heutige Oberflächengestalt des Sauerlandes wird von einer weltweiten Gebirgsfaltung vor 65 Millionen Jahren bestimmt. Seitdem wurden jedoch Gebirgskämme abgetragen, Täler mit Erosionsschutt aufgefüllt. Aus Spalten und Rissen im Kalksteinmassiv entstanden kleine und große Höhlen in und um Balve.
Erhebliche Klimaschwankungen prägten Vegetation, Flora und Fauna, Dauerfrostböden wechselten mit anderen, Steppen, Gras-, Busch- und Waldlandschaften. In Kaltzeiten lebten in Westfalen Mammut, Höhlenbär, Wollhaarnashorn und Eisfuchs, in gemäßigten Perioden Ren, Wildpferd, Wisent. Der Neandertaler wanderte vor mehr als 100.000 Jahren ins Hönnetal; einen arktischen Kältevorstoß vor etwa 40.000 Jahren überlebte er nicht.

10.000 Jahre später durchstreiften Horden des Cro-Magnon-Menschen Täler und Höhen des Balver Raumes. Ihnen folgten andere Menschen mit anderen Kulturen. Eine kulturgeschichtliche Wende setzte im vierten Jahrtausend ein. Ackerbauern, Viehzüchter und Waldhirten verdrängten endgültig rivalisierende Jäger und Sammler.

Tausende Funde aus Höhlen und freier Flur belegen das Kommen und Gehen von Volksgruppen, ihre Fähigkeit, Arbeitstechniken zu vervollständigen und ihre Lebensformen zu verbessern.

Germanische Siedler erreichten um die Zeitenwende das Hönnetal (Ausgrabungen bei Garbeck/Küntrop, 100 n. Chr.). 500 Jahre später lebten sächsische Großfamilien auf ausgedienten Hofanlagen entlang der Höhle. Sachsenherzog Widukind besaß um 780 in und um Balve Familiengüter. (...)

Die geschichtliche Entwicklung Balves in den folgenden Jahrhunderten wurde dann weitgehend von ihrem politischen Schicksal als Ort an der Grenze zwischen kurkölnischen Gebiet und der Grafschaft Mark bestimmt. So gehörte Balve bis 1368 zur Grafschaft Arnsberg und kam hierauf mit der Grafschaft zum Erzbistum Köln, eine Bindung, die durch Jahrhunderte bestehen blieb. Das Jahr 1430 brachte dem Ort an der Grenze die Verleihung der Stadtrechte durch den Kölner Kurfürsten und Erzbischof Dietrich II von Moers (1414-1463). Mit der Verleihung der Stadtrechte erlangte das kleine Ackerbürgerstädtchen des Mittelalters immer mehr an Bedeutung. Balve wurde eine Stadt der Bierbrauer, Handwerker und durchreisenden Händler (Hansestadt). Balve durfte im Übrigen Jahrmärkte ausrichten, die überregional geschätzt wurden, wie beispielsweise den Michaelis- oder Andreasmarkt.

Balve gehörte nunmehr dem Landtag des kurkölnischen Herzogtums Westfalen, einer Kurie der Städte und Freiheiten an, durfte vier Jahrmärkte ausrichten, die auch überregional geschätzt und besucht wurden, und besaß die niedrige Gerichtsbarkeit. Der Ort konnte sich seine städtische Verfassung mit vielen demokratischen Elementen aus der kurkölnischen Zeit bis zum Ende der absolutistischen Epoche bewahren.

Als sich unter Einfluss der französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons das Gesicht des alten Europa zu wandeln begann, gerieten die Balver kurze Zeit (1802-1815) unter hessische Herrschaft. Dies hatte eine Reihe von Änderungen im Bereich der Verwaltung, der Gerichtsbarkeit sowie der Kultur-und Kirchenpolitik zur Folge. 1815 kam das Balver Land dann mit dem ehemaligen kurkölnischen Herzogtum Westfalen an das Königreich Preußen.

Während die preußische Verwaltung-, Kultur und Militärpolitik auch hier nicht ohne Einfluss blieb, hinterließ die beginnende Industrialisierung ihre Spuren. Erzbergbau, Metallverarbeitung und Kalkindustrie läuteten eine neue Zeit ein. So stammt aus den Anfängen des 18. Jahrhunderts das bemerkenswerte Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung, die "Luisenhütte" in Balve-Wocklum. Es handelt sich dabei um die einzige Hochofenanlage dieser Art in Mitteleuropa, die in funktionsfähigem Zustand erhalten ist.

Die in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts einsetzende rasante Entwicklung brachte für Balve zunächst keine wesentliche Strukturverbesserung. Die verkehrstechnisch ungünstige Lage des Ortes an der mittleren Hönne, seine von Land-und Forstwirtschaft geprägte Infrastruktur machten es den Einwohnern schwer, wirtschaftlichen Anschluss zu erhalten oder gar zu gewinnen. Erst seit den siebziger Jahren ist auch hier ein immer deutlicher werdender Wandel eingetreten.

Die private Bautätigkeit hatte erheblich zugenommen, ein sichtbarer Strukturwandel zog seine Kreise und stärkte die Wirtschaftskraft der Stadt Balve.

Die vormals kleine Stadt Balve, die schon im Jahre 1930 voller Stolz ihr 1000-jähriges Bestehen feierte, inmitten einer eigenständigen und selbstbewussten dörflichen Umgebung - dem „Balver Land“ - gelegen, stellt sich heute als ein aufgeschlossenes Gemeinwesen mit allen notwendigen Einrichtungen einer modernen Daseinsvorsorge dar. Seit der Durchführung der Gebietsreform im Jahre 1975 ist die Stadt weit über ihre ursprünglichen Stadtgrenzen hinaus gewachsen und bildet mit den Ortsteilen und ehemals selbstständigen Gemeinden Beckum, Eisborn, Beckum, Langenholthausen, Mellen und Volkringhausen die neue Stadt Balve, die ihre in den Jahrhunderten gewachsenen Bindungen an das kölnische Sauerland aufgeben musste und jetzt Bestandteil des neu geschaffenen Märkischen Kreises ist. Die Stadt Balve ist mit ihren schönen Dörfern und Sehenswürdigkeiten, der intakten Natur und dem großen Wanderwegenetz ein interessantes Feriengebiet im Sauerland" (Auszug aus: "Balve Info 2001". Autor: Manfred Rotermund; vollständiger Abdruck in "Sauerland" 2/2004).