Mobil sein im Balver Land - Der Bürgerbus im ÖPNV

Wer mobil sein will im Land der tausend Berge, fährt Auto. Ohne dieses klassische Verkehrsmittel "geht hier nichts". Gut ausgebaute, attraktive Radwegeverbindungen entlang der überörtlichen Straßen sind eine Seltenheit. Sie waren aus Sicht der Verkehrsplaner bisher weitgehend verzichtbar, man sah wohl keinen Bedarf. 

Erst in den letzten Jahren entwickelt sich ein neues Bewusstsein. Irgendwann wird das Hönnetal vielleicht sogar einen durchgehenden "Hönnetalradweg" von Neuenrade bis Fröndenberg, von der Lenne bis zur Ruhr haben. An Teilstücken wird fleißig gewerkelt - Salamitaktik der Hönnetalkommunen.

Die Folgen der zaghaften Verkehrspolitik beim öffentlichen Nahverkehr, für alle spürbar am Dauerstau der Sparkassenampel in Balve, sollen jetzt durch neue Verkehrslösungen behoben werden. Die Hoffnungen hängen am neuen Minikreisverkehr, der 2018 in Balve eingerichtet werden soll. Er wird die Lage verbessern, aber er wird die Probleme nicht an der Wurzel packen.

Doch es gibt sie noch, die öffentlichen Verkehrsverbindungen neben unserem bewährten Taxigewerbe...

Hönnetalbahn

MVG-Busverbindungen

Fahrplan Bürgerbus Balve 

 

Rote, blaue und weiße Mammutlinie

 

Foto: WP

BALVE.  Zwölf Jahre nach seiner Gründung geht der Bürgerbusverein in Balve neue Wege. Er hat sich dem Bürgerbusverbund Sauerland-Hellweg angeschlossen - eine Genossenschaft, der inzwischen acht Bürgerbusvereine (neben Balve die aus Bad Sassendorf, Sorpesee, Sundern, Meschede, Bestwig, Brilon und Marsberg) angehören.

„Das ist ein historischer Schritt, der aber mit dem festen Glauben an eine gute Zukunft verknüpft ist“, sagt Christian Schubert, Vorsitzender des Bürgerbusvereins Balve.

Was wird sich in Zukunft ändern? „Die Verwaltung wird auf den Verbund übertragen, um die Bürgerbusvereine zu entlasten“, teilt Michael Breier, Vorstandsvorsitzender des Bürgerbusverbundes Sauerland-Hellweg mit. „Die Vereine bleiben aber weiterhin die Entscheidungsträger.“ Das Konzept der Zukunft sieht die Anbindung der Ortschaften an Balve in drei Linien vor:

1. Die „Rote Mammutlinie“ B1: Die südliche Variante steuert von Balve aus die Ortschaften Garbeck, Langenholthausen und Mellen an und fährt dann wieder zurück in die Hönnestadt.

2. Die „Blaue Mammutlinie“ B3: Eine nördliche Route, die über Balve, Helle, Beckum und Volkringhausen zurück nach Balve führt.

3. Die „weiße Mammutlinie“ B2 ist eine Innenstadtlinie, die folgende Stationen ansteuern wird: Wolfskuhle, Hassenborn, Rathaus, Garbecker Kirchweg, Ossenkamp, Friedhofskapelle, Altenpflegeheim St. Johannes, Am Mühlenweg und die Sparkasse.

Ein-Stunden-Rhythmus

Die „B2“ soll, so ist es geplant, im Anschluss an die Nord- und Südlinie viermal pro Tag im Ein-Stunden-Rhythmus fahren. Die „B1“ und die „B3“ werden zweimal am Tag im Zwei-Stunden-Takt bedient. Gefahren wird vormittags von Montag bis Samstag sowie an den Nachmittagen dienstags und donnerstags.

Der neue Fahrplan soll am 4. September in Kraft treten. Bis dahin gibt es noch viel zu tun. „Ge­naue Haltestellen und Abfahrtszeiten werden wir in den nächsten vier bis sechs Wochen definieren“, sagt Michael Breier. Thematisiert werden bis dahin auch die Schulungen der Fahrer im Alter zwischen 21 und 72 Jahren und die Gewinnung neuer Bürgerbusfahrer. Breier: „Wir haben einen Riesenbedarf und suchen händeringend jeden Interessierten.“ Mit 21 Fahrern hatte der Bürgerbusverein Balve im Jahr 2002 angefangen. Jetzt sind es noch zehn. Breier: „Wenn wir die Zahl verdoppeln könnten, sind wir zufrieden.“

Vernetzung der Ortsteile

Zufrieden mit dem neuen Konzept sind auch der Vorsitzende des Bürgerbusvereins, Christian Schubert, und Bürgermeister Hubertus Mühling. „Diese Maßnahme bringt Balve weiter. Vielleicht nicht ad hoc, aber in ein bis zwei Jahren“, sagt Schubert. „Das ist eine historische Entscheidung des Bürgerbusvereins und eine Win-Win-Situation für alle. Mobilität für die Zukunft und die Vernetzung der Ortsteile zu Balve spielen in Zukunft eine ganz wichtige Rolle“, ergänzt Mühling.

Der Bürgerbusverein Balve und der Bürgerbusverbund Sauerland-Hellweg betonen, nicht in Konkurrenz zur Märkischen Verkehrsgesellschaft zu stehen, die das genauso sieht. „Das neue System Bürgerbusverein ist eine sinnvolle Ergänzung zum öffentlichen Personen-Nahverkehr. Die Fahrgastzahlen sind sehr stark zurückgegangen, auch, weil die Pkw-Dichte sehr, sehr hoch ist. Vor dem Hintergrund macht eine Kombination von Linien- und Bürgerbusverkehr Sinn“, erklärt Peter Bökenkötter von der Märkischen Verkehrsgesellschaft.