Balve sehens- und hörenswert

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Das alte Rathaus

Das Rathaus stand an der Stelle der heutigen Volksbank. Es musste im Jahr 1952 dem Neubau der Sparkasse weichen. Ein Foto aus früheren Tagen vermittelt den Eindruck, das alte Gebäude sei mit dem heutigen fast identisch. Selbst der schlanke Spitzturm fehlt nicht. Er wurde dem Altgebäude nachgebaut. Allerdings erreicht das alte Rathaus nicht die Größe der heutigen Volksbank. Es war kleiner, verfügte über einen seitlichen Aufgang und beherbergte mehrere städtische Einrichtungen. So trafen sich in der „Wachstube“ im Untergeschoss die städtischen Nachtwächter, nebenan wurden bei Bedarf Betrunkene, Diebe und Radaubrüder dingfest gemacht.

Wie Josef Pütter anschaulich schreibt, J. Pütter (1965): Sauerländisches Grenzland im Wandel der Zeit, p. 70, Hrsg.: Heimwacht Balve, Zimmermann Druck + Verlag, fanden im hinteren Teil des Kellers Löschfahrzeuge und Gerätschaften eine Bleibe. Zum Obergeschoss führte eine breite Freitreppe. Linker Hand tagte in einem kleinen Saal die Gemeindevertretung, rechts vom Mittelgang diente ein geschmückter Raum als Stadtkapelle. Viermal in der Woche feierten Vikare das Messopfer. Darüber hinaus hielten sie von Fall zu Fall Andachten und Predigten. Nach dem Bau eines neuen Hauses für die Verwaltung der Stadt (ehemals Hönnetalstraße 8) wurden im alten Rathaus die Burschen der Bürgerschaft unterrichtet. Zeitweise bot es dem Museum der Stadt eine „vor­übergehende ­Heimat“.

Das Umfeld des Rathauses war Mittelpunkt stadtbürgerlichen Lebens. Auf dem heutigen Parkplatz standen Pranger und Narrenkasten, wurde hin und wieder öffentlich Gericht gehalten. Das Umfeld des Rathauses nutzten bis zu seinem Abbruch Stadtmärkte und festliche Anlässe.

Dem „Situations-Plan“ von 1805 (Kap. I) zufolge stand damals noch das alte Rathaus samt Kapelle, das vermutlich nach dem dreißigjährigen Krieg errichtet wurde und bereits vom Stadtbrand im Jahr 1707 stark beschädigt war. Auch dieses Gebäude hatte einen Vorgänger. Das Rathaus wurde erstmals 1526 erwähnt. Für die Stadtkapelle, die kurz nach 1456 gebaut wurde, „baten die Balver Bürger den Kurfürsten von Köln, er möge ihnen gestatten, innerhalb der Stadtmauern eine Kapelle zu bauen, da es ihnen wegen feindlicher Überfälle oft erschwert sei, die Pfarrkirche, die außerhalb der Stadt lag, zu besuchen“ (Pütter/Ahrens Seite 95). 

Das Rathaus blieb beim Stadtbrand 1789 verschont. Am 1. Mai 1820 feierten die Balver jedoch zum letzten Male die hl. Messe in der Stadt­kapelle. Die weit in die neue Hauptstraße hineinragende halbrunde ­Kapelle wurde „destruiert“, weil sie „zu einem Verkehrshindernis geworden war“ (Ruhrmann, Balver Buch Seite 226). Die Fassade wurde erneuert. Der verbliebene Torso war auf der Rückseite wenig ansehnlich (Bild: Foto Engel).

Seit 1835 diente das alte Rathaus zunächst als Schule, ab 1928 als Balver Heimatmuseum. Die intensive ­Bemühung um die  Erhaltung, insbesondere durch Theodor Pröpper, führte leider zu keinem Erfolg. Der Abriss des Rathauses erfolgte 1953, um dem Neubau der Sparkasse Platz zu machen. Seine ursprüngliche Gestalt wurde nach der sorgfältigen Beschreibung von Josef Pütter später von Werner Ahrens nachempfunden (siehe Skizze). 

Das Balver Glockenspiel (Hauptstraße 18)

Mit dem Glockenspiel in der Stadtmitte im Gebäude der Volksbank wurde ein würdiger Ersatz für das alte Rathaus geschaffen. Das Glockenspiel wurde nach den Plänen von Theodor Pröpper, dem bedeutenden Balver Komponisten und Kirchenmusiker, eingerichtet. Der Neubau gehört mittlerweile zum vertrauten Stadtbild. Dank großzügiger Unterstützung durch die Volksbank als Eigner verfügt das Glockenspiel heute über ein großes Repertoire (knapp 40 Stücke), das täglich viermal dargeboten wird: um 9, 11, 15 und 18 Uhr

Dazu gehören viele Volkslieder, auch Kompositionen von Theodor Pröpper, wie das „Balver Lied“ („Du alte Stadt im grünen Tal...“), oder das plattdeutsche Lied zum Glockenspiel „Un dat Klokkenspiel te Balwe...“).

Das Glockenspiel ist bei Gästen und Einheimischen sehr beliebt. Die Lieder und Uhrzeiten finden sich auf balverland.de im Veranstaltungskalender. 

Glockenspiel-Lied

(Text und Musik: Theodor Pröpper):
Un dat Klokkenspiel te Balwe
lütt säu hell und feyn:
Kling klang, kling klang. 
Lütt am Moargen un am Middag
un im Owendscheyn: 
Sing sang! Sing sang. 
Un dat Klokkengebiemel
es biu Klingen vam Hiemel. 
Klingelingelingelang. 
Kling klang, kling klang.

Alle Luie bleywet stille
an deär Strote stohn. 
Kling klang, kling klang.
Nümmes weyket, alle keyket, 
hört dat Klokkenslohn. 
Sing sang! Sing sang. 
Fanget met an te singen; 
alle Heärten wellt springen. 
Klingelingelingelang. 
Kling klang, kling klang.

Alte Drostei (Bogenstraße 8)

Am 14./15. Jahrhundert wurden auch im Herzogtum Westfalen Amtsverfassungen eingeführt. Mit der Verwaltung der Städte und Ämter beauftragte Kurköln sog. Amtsleute, Drosten genannt. Es waren adlige Beamte auf Zeit. Sie hatten im Auftrag des Kurfürsten vielfältigen fiskalischen, juristischen und verwaltenden Geschäften nachzugehen. Auch das Amt Balve wurde Jahrhunderte von Drosten herrschaftlich regiert. Viele Amtsträger entstammten den Adelsgeschlechtern von Wrede (Schloss Melschede) und von Landsberg (Schloss Wocklum).

Mit der Umgestaltung des Verwaltungssystems (1743) wurde der Titel „Droste“ nur noch ehrenhalber an Adelige mit „besonderen Verdiensten“ verliehen. Regierungssitz und Geschäftsstelle der adligen Amtmänner war bis etwa 1567 die Drostei. Das schlichte Gebäude an der Stadtmauer wurde eines Tages als Verwaltungssitz aufgegeben, schließlich baufällig und beseitigt. 

Am Haus Bogenstraße 14 weist eine Bronzetafel auf ds Geburtshaus Theodor Pröppers hin. Schräg gegenüber findet sich, sehr versteckt am Haus Bogenstraße 3, das wundervolle Bronzerelief von Walter Jansen: „Der Stadtbrand von Balve 1789“. Es stellt die Löscharbeiten beim Stadtbrand dar. Zu sehen sind flüchtende Menschen und Tiere und die lichterloh brennende Stadt.

Drostenhaus

Der heutige Drostenplatz bezeugt beispielhaft die wechselvolle Geschichte Balves. Im 8./10. Jahrhundert stand hier der Niederhof, das ist ein sog. Haupthof im Besitz eines sächsischen Edelings. Das Anwesen wurde Kern einer Ansiedlung an einer Hönnefurt, schließlich Mittelpunkt eines Siedlungsverbandes (Gaus), aus dem sich im Mittelalter eine befestigte Stadt entwickelte (1430). Sie war bis 1975 Zentrum eines gleichnamigen Amtes mit zeitweise über 20 Gemeinden – bis vor die Tore von Arnsberg, Sundern und Plettenberg.

Während der Amtszeit des Drosten Hermann von Hatzfeld erhob der Kölner Erzbischof und Kurfürst 1567 das Amt Balve in den Stand ­einer „Kellnerei“. Der Droste und seine Räte hatten nun auch außerhalb des Amtes Balve liegende abgabenpflichtige Güter und Ländereien Kurkölns wirtschaftlich und fiskalisch zu betreuen. Um dem größeren Verwaltungsaufwand gewachsen zu sein, ließ Landdroste von Hatzfeld ein für damalige Balver Verhältnisse hochmodernes steinernes Gebäude, das sogenannte Drostenhaus, planen. Seine Vorstellungen konnten aber wohl erst nach seinem Unfalltod 1600 verwirklicht werden. Nur wenige Jahrzehnte wurde das Gebäude als Amtssitz eines Drosten genutzt und schließlich an private Nutzer verkauft. Das Gebäude schien zu verfallen.

Anfang der siebziger Jahre sollte es – nun im Besitz einer Erbengemeinschaft – abgerissen und das Grundstück einer „modernen“ Bebauung zugeführt werden. Vor allem den Bemühungen Agatha Allhoff-Cramers gelang es, den Abriss des Hauses zu verhindern. Die Planbau Balve übernahm – dank erheblicher Landeszuschüsse – die Rundum-Restaurierung. Das Gebäude gehört heute zu den besonderen Sehenswürdigkeiten Balves.

Nach erneutem Besitzerwechsel wird das Haus seit Oktober 2019 wieder gastronomisch genutzt. Die Illustrationen im Gewölbekeller stammen von Dr. Uwe Bathe.

Die Heiligen Drei Könige (Hauptstraße 6)

Ein Episode aus der Zeit der französischen Revolution

Im Jahr 1789 rückten französische Truppen gegen den Rhein vor. Die baldige Eroberung Kölns war zu erwarten. Das Kapitel des Kölner Doms befürchtete den Raub seiner kostbaren Domschätze. Am 30. September 1794 beschloss es, den Schrein mit den Reliquien der Heiligen Drei Könige (von Kaiser Rotbart einst aus Mailand entführt), in Sicherheit zu bringen. Dieser Geheimauftrag wurde dem Allendorfer Fuhrherrn Simon anvertraut. Zum vereinbarten Zeitpunkt wartete ein Fuhrknecht mit zwei Lastkarren an der Kölner Schiffsbrücke. Ein Domherr – aus der Dunkelheit kommen – führte eine Gruppe Männer an. Auf ihren Schultern ruhte auch der Schrein mit den Reliquien der Heiligen Drei ­Könige. Sie verluden die wertvolle Ladung und schifften sie über den Rhein. Eile war geboten. Die Franzosen eroberten Köln. Schon pfiffen die ersten Kugeln um die Köpfe der Männer.

Nach einigen Tagen erreichten die Fuhrwerke Wedinghausen nahe Arnsberg. Das Asyl der kostbaren Fracht konnte neun Jahre geheim gehalten werden. ­Zwischenzeitlich stabilisierten sich die Verhältnisse am Rhein. Die Franzosen verließen die Domstadt.

Der geheime Rücktransport nach Köln startete am 11. Dezember 1803. Die ­Kolonne, begleitet von geistlichen Herren und Fuhrknechten, benutzte die ­Trasse der historischen Fernstraße. Gegen Abend erreichten die Karren Balve.

Die Männer nahmen (unangemeldet) Quartier im Gasthaus Glasmacher (Hauptstraße 6), einer damals renommierten Herberge für durchreisende Kaufleute, Händler und Fuhrleute. Der Schrein mit den heiligen Gebeinen wurde im Saal aufbewahrt, abgeschirmt und streng bewacht.

Johann Heinrich Glasmacher, Bürgermeister der Stadt, war nicht nur geschäftstüchtiger Wirt. Er war auch äußerst wissbegierig. Er wollte unbedingt erfahren, was die „an einem dunklen Dezemberabend angelieferten Behältnisse“ enthalten mochten, welche Rolle seine Gäste im schwarzen Habit zu spielen hatten. Die Legende berichtet, dass J. A. Glasmacher „auf etlichen Umwegen die hohe Bedeutung dieses Transportes und seiner Kostbarkeiten“ entdeckte.

Der bibelkundige und beredte Wirt habe dann ausgerufen: „Heute ist meinem Hause Heil widerfahren!“ Und schon seien die Kirchenglocken von selbst angefangen zu läuten. Viele Bewohner Balves hätten sich daraufhin zur Gaststätte begeben, um „den Reliquien der Heiligen Drei Könige und ihrer heiligen Begleiter Gregor, Spoletan, Felix und Nabor zu huldigen“.

Der Vorgang wird sich ein wenig anders abgespielt haben, so vermutet man zu Recht. Den Fuhrknechten, reichlich mit scharfen Getränken bedient, entlockte Glasmacher das Geheimnis des Transports. Sofort sandte der agile Wirt einen Boten zum Küster mit der Order, die Glocken läuten zu lassen. Die Bürger der Stadt vermuteten sogleich eine Gefahr. Sie verließen eilig ihre Betten und stürmten neugierig auf die Straße. Sie hörten von der wundersamen Geschichte, eilten zum Saal, dankten Gott und beteten ergriffen. Zur Erinnerung an dieses Ereignis erhielt Glasmacher später vom Domkapitel ein ,,frommes Bild“ mit sieben ­Segenssprüchen.

Der kluge Wirt nannte nun seine Gaststätte „Heilige Drei Könige“. Der neue Name wurde ein werbewirksamer Begriff für alle Benutzer der historischen Fernstraße Köln/Frankfurt – Balve – Hellweg.

Das Lohgerberhaus (Alte Gerichtsstraße 10)

Nach dem großen Stadtbrand (1789) wurde das Ackerbürgerhaus vom Lohgerber Johann Matthäus Berken in mehreren Bauphasen neu errichtet.

Das Baumaterial des früheren Hauses wurde wieder verwendet. So finden sich auf dem Schmuckbalken über dem Deelentor ältere geschnitzte Schriftzüge, die aber entfernt wurden. Vor dem Stadtbrand lag die Deele ca. 30 cm tiefer, leicht schräg versetzt. Das alte Deelenpflaster im Fischgrätmuster ist teilweise erhalten.

Gerberei und Lederhandwerk waren ein bedeutender Balver Wirtschaftszweig. Daran erinnern alte und uralte Flurnamen und Einrichtungen. So wuchsen in „Loh“-Wäldern junge Eichen heran. Ihre frische Rinde wurde in der Lohmühle zu Gerbsäure verarbeitet. Die Walkmühle am Glärbach bearbeitete die gegerbten Rinder-, Ziegen- und Schafleder. Sie walkte, d.h. sie weichte auf, verdichtete und zog glatt.

Zur Gerberei hinter der Stadtmauer gehörten ehedem Insthaus, Werkstätten, Lohmühle, Wassergraben, Gerberteich und -wiese. Der Gerberweg erinnert an die ehemalige Bedeutung dieses Gewerbes für die Stadt. 

In den 1970er-Jahren war der Abriss des Lohgerberhauses und des Nachbarhauses „Altes Gericht“, beide im Originalzustand erhalten, beschlossene Sache. Einer verkehrsgerechten Erweiterung der Alten Gerichtsstraße sollte Platz geschaffen werden, mit Abriss und „Flächensanierung“ der halben Altstadt. Es gelang, beide Häuser zu retten. Die Flächensanierung wurde abgesagt, viele alte Häuser wurden unter Denkmalschutz gestellt.

Alte Hospitalgasse

An das Balver „Spital“ erinnert heute nur noch die Alte Hospitalgasse. Sie wurde nach dem ehemaligen Alten-und Armenhaus benannt. Hennecke von Schüngel aus dem Haus Landsberg erwarb 1550 das „Alte Brüggemannsche Haus“ und stiftete es Bedürftigen.

Zur Stiftung gehörten Felder, Wälder und Anrechte (zum Beispiel der Armenberg), deren Erträge den Unterhalt des Hospitals und seiner sechs bis acht Bewohner zu sichern hatten. Die Stiftung wurde jeweils von Wocklum, der Kirchengemeinde und der Stadt betreut und verwaltet.

Das Hospital war – wie 60 % der Ackerbürgerhäuser vor dem großen Brand von 1789 – ein einstöckiges, hüttenähnliches, strohgedecktes Gebäude mit niedrigen Seitenwänden. Links und rechts vom Mittelgang lagen die Stuben der Insassen. Die Räume besaßen weder eigene Herdstellen noch Schornsteine. Rauchschwaden entwichen über Luken. Das Hospital brannte 1599 und 1789 völlig nieder. Die Folgebauten wurden wieder in ähnlich „einfacher Form“ errichtet.

Die Gründe oder Umstände, die zur Aufgabe des „Altenheimes“ führten, sind nicht bekannt. Es wurde verkauft, später vom neuen Besitzer vermietet. Es verkam, wurde baufällig, wurde abgerissen und wich schließlich (etwa 1992) einem Neubau. Henny Busch rettete – sozusagen in letzter Minute – aus der Abbruchmasse einen Eichenbalken mit der bemerkenswerten Inschrift.

Der Balken – in das nachgebildete Fachwerk des neuen Gebäudes eingelassen – soll an die Historie des Armenhospitals und an seine Nutzungen und Schicksale erinnern. Das C.M.B, im Volksmund „Caspar, Melchior, Baltasar“, bedeutet korrekt: ,,Christus Mansionem Benedicat“ (Gott segne dieses Haus).

Das ,,Cordes Haus“ (Hönnetalstraße 1)

Das zweistöckige Fachwerkgebäude wurde nach dem großen Brand 1789 im Zuge des Wiederaufbaus der Stadt um 1790 als Wohnhaus des Ackerbürgers Cordes errichtet. Die links und rechts der klein gepflasterten Diele liegenden Räume und das Deelentor erinnern an großbäuerliche Vorbilder. Es diente ­offenbar nach Umbauten verschiedenen Zwecken, zum Beispiel als Lagerhaus, Wohnung oder Remise. Die westlichen Seiten der beiden Häuser sind bruchsteinverkleidet (Wetterschutz).

Noch in den 60er Jahren bewohnten das Haus Herr und Frau Hörster. Die angesehenen Bürger betrieben eine Kohlenhandlung und verkauften Landesprodukte. Herr Hörster pflegte würdevolles Auftreten, seine Frau – ganz Dame – liebte Pelzkleidung. Sie kutschierten durch Balve, während Geschäftsleute und Bürger den Besitz eines Autos als zukunftsträchtiges Beförderungsmittel erstrebten.

Seit den 70er Jahren verlor das Haus an Aussehen und an Ansehen. Versuche, es zu erwerben, aus verkehrlichen Gründen umzusetzen und einträglichen Nutzungen zuzuführen (Café mit Terrasse) scheiterten. Mit der gelungenen Res­taurierung und Sanierung der Anlage gewann die Stadt eine bauhistorische ­Sehenswürdigkeit.

Der ,,Bürger-Brunnen“ in der Dreikönigsgasse

Viele Jahre zierte ein unwirtliches Ruinengrundstück an der Hönne die Dreikönigsgasse. Die Sparkasse erwarb das Areal. Sie wollte das Gelände bürgerfreundlich gestalten und schlug vor, einen begrünten Parkplatz mit einem Brunnen errichten zu lassen.

Rüth schlug vor, dem Parkplatz städtebauliche Bedeutung zu geben und den Brunnen mit Gestalten bekannterweise Balver Bürger zu versehen. Natürlich waren auf dem Weg von der Idee bis zu ihrer Verwirklichung manche Diskussionen zu überstehen.

Ohne Zweifel bereichert heute der „Bürgerbrunnen“ mit den sieben Bronze­gestalten das Stadtbild. Verewigt wurden: Josef Pütter, Ehrenbürger, Heimatforscher, Schriftsteller // Theodor Pröpper, Ehrenbürger, Komponist und Organist, Heimatdichter, Komtur-Ritter // Elisabeth Jedowski, Geschäftsfrau // Hermann Hering, Ackerbürger, Bürgermeister // Albert Rapp, Bauunternehmer, Amtsbürgermeister // Heinrich Thorwesten, Geschäftsmann // Wilhelm Hertin, Fabrikant (Landrat des Kreises Arnsberg).

Der Kirchplatz

Der Kirchplatz zwischen Haupt-, Meller- und Brucknerstraße deckt sich im wesentlichen mit der Stelle, an der vor etwa 1200 Jahren der Oberhof eines sächsischen Edelings gestanden hat.

Das Anwesen gelangte bereits im frühen Mittelalter in den Besitz adliger Geschlechter. Wald, Hecke und Murmkebach, später ein Rundum-Mauerwerk grenzten das Areal räumlich, damit bannrechtlich ab, sie schützten es gegen unliebsame Besucher.

Vermutlich errichtete die Mendener Urpfarrei dort bereits unter den Karolingern im 9. Jahrhundert eine (hölzerne) Kapelle. Sie wich im 13. Jahrhundert einem spätromanischen (märkischen) Hallenkirchentyp mit einem imposanten, wenig gegliederten sog. Wehrturm.

Rund um die Altkirche wurden über viele Jahrhunderte die Bürger der Stadt zu Grabe getragen.  Daran erinnern nur noch einige Male, besonders das Mausoleum des Hennecke von Schüngel (1704). Der vergitterte Pavillon mit Schweifhaube wurde 2001 grunderneuert. 

Die Flächen des ehemaligen Friedhofs zwischen Kirche, Pfarrhaus, Mädchenschule und alter Vikarie bilden heute eine gepflegte Parkanlage. Das östliche Fachwerk der Vikarie Sankt Nicolai wurde im 17. Jahrhundert „der Einfachheit halber“ auf die alte Kirchhofsmauer gesetzt, die ehedem das „Lateinische Viertel“ in Gänze umgab. 

Erwähnenswert ist der Agatha-Bildstock. Die Inschrift besagt, dass Bürgermeister Ludwig Kramer (1649-1713) ihn errichten ließ. Das farblich abgesetzte Chrono­­gramm  im  Schriftzug  benennt  das  Jahr  1703  (= M(1000), D(500), C(100), L(50), 2xX(20), 5xU,V,A(25), 8xI(8)). 

DIVAE AGATHAE VIRGINI FORTI
AC MARTYRI GLORIOSAE
PIE EXTRUXERUNT
LUDOVICUS KRAMER CONS BALV
ET CORNELIA MARGARETA
ZERSEN CONIUGES
Der heiligen Agatha, starken Jungfrau
und glorreichen Märtyrerin 
fromm haben errichtet 
Ludwig Kramer, Bürgermeister von Balve
und Cornelia Margareta
Zersen Eheleute

Nur vier Jahre später, am 10. Oktober 1707, kam es zu einer erneuten Feuersbrunst, bei welcher nach Pütter auch der Bürgermeister Kramer ums Leben gekommen sein soll. Tatsächlich verstarb er im Jahr 1713. 

Pfarrkirche St. Blasius

Das größte und bedeutendste Balver Bauwerk entwarf 1910 der Aachener Dombaumeister Prof. Dr. Josef Buchkremer. Ihm gelang es, die spätromanische Kirche „verträglich und ansehnlich“ um einen neoromanischen Neubau zu erweitern.

Der historisierende Zubau gipfelt in einer gewaltigen ovalen Oktogon-Kuppel. Die überkommenen und zugefügten Teile werden vom Betrachter als eine angenehm harmonierende Einheit empfunden.

Beachtenswert sind die reliefartigen Giebelfelder (Tympana) über den Türen. Im Jahr 1914 wurden unter drei Malschichten der Apsis bedeutende Wandmalereien entdeckt und 1915 – aus heutiger Sicht unfachmännisch – restauriert bzw. übermalt. Die ältesten Bilder sollen Mitte des 13. Jh. entstanden sein, die jüngsten um 1434.

In der Apsis scharen sich um den thronenden Christus in einer Mandorla (einem ummantelnden Heiligenschein) die vier Evangelistensymbole sowie Maria, Johannes der Täufer und Blasius. Letzterer wurde Namensgeber der Kirche. Die Fensterzonen füllen Prophetenbilder. Die Bilder der Chorseitenwände sind jüngeren Datums.

Das Epitaph (Gedenktafel mit Inschrift) an der Westwand der Kirche (vgl. Seite 50) erinnert an den Drosten Hermann von Hatzfeld. Er bekämpfte den Truchsess von Waldburg, Erzamtmann und Kurfürst des Reiches (1547 -1601). Dieser versuchte vergeblich, in Balve zwangsweise die calvinistische Lehre einzuführen.

Ob das Trutzwort: „Säu faste ärre Balve!“ (So fest wie Balve) in der aufblühenden Zeit der „Truchseßschen Wirren“, während des bismarckschen Kulturkampfes oder aus einem anderen Anlass ein geflügeltes Wort wurde, lässt sich nicht mehr überzeugend belegen. 

Hoffmeister-Pröpper-Brunnen - Gründung des Sauerländer Heimatbundes

Im Jahre 1921 gehörte der Balver Musikdirektor und Komponist Theodor Pröpper zu den Gründern der Balver Heimwacht und im gleichen Jahr gemeinsam mit Franz Hoffmeister zu den Gründern des Sauerländer Heimatbundes. Bei der ersten Tagung des SHB im Jahr 1922 wurden erstmals kulturelle Aufführungen in der Balver Höhle von ihm und Franz Hoffmeister veranstaltet. Dies hatte weitreichende Folgen: Die Balver Höhle wurde damit zu einem Ort der Kultur, einer „Kulturhöhle“.

Im Jahr 1930 fand die achte Tagung des SHB ebenfalls in Balve statt. Leitgedanke: Religion und Heimat.

Nach dem 2. Weltkrieg war es erneut Theodor Pröpper, der die maßgeblichen Impulse zur Neugründung des Sauerländer Heimatbundes setzte (Hoffmeister verstarb 1943 im Alter von 45 Jahren). Im August 1951 tagte der erste Sauerländische Heimattag der Nachkriegszeit erneut in Balve (von mehr als 3.000 Teilnehmern wird berichtet!).

Zu Ehren von Franz Hoffmeister, dem „Wächter sauerländischen Volkstums“1), wurde im Gefolge des Heimattages ein Brunnen am Aufgang zur Balver Pfarrkirche eingerichtet. Dieser Brunnen befindet sich am Platz einer natürlichen Quelle, dem alten Balver „Kirchenspring“.

In späteren Jahren wurde das Konterfei Franz Hoffmeisters von der Heimwacht Balve um das Bronze-Portrait Theodor Pröppers im gleichen Stil ergänzt. Der Brunnen wird heute als „Hoffmeister-Pröpper-Brunnen“ geführt.

Alte Vikarie und Alte Mädchenschule

Der Kirchhof wird von zwei bemerkenswerten Fachwerk-Gebäuden begrenzt, die ihm einen würdevollen Rahmen geben. Die Alte Vikarie, ein schön proportionierter Fachwerkbau an der Hauptstraße, wurde 1627 erbaut und diente bis etwa 1935 kirchlichen Belangen (Unterbringung der Vikare, etc.). Ab 1960 stand das Gebäude leer und es wurde der Abriss erwogen, um die als gefährlich geltende Einfahrt in die Hauptstraße zu entschärfen (hier war es zu einem Verkehrsunfall mit Todesfolge gekommen). Dagegen engagierte sich der Balver Heimatverein (die Heimwacht), und richtete dort ab 1974 eine Altentagesstätte ein. Heute dient es profanen ­Zwecken.

Die Alte Mädchenschule liegt beim Kirchturm. Nach langjähriger Nutzung für Unterrichts- und Wohnzwecke wurde das Haus umgebaut und nahm, zeitweilig auf zwei Etagen, das Balver Museum auf. Seit 1998 befindet sich dort die „Sebastiansklause“ der Schützenbruderschaft. 

Alte Bürgerhäuser

An  der  Hauptstraße  gegenüber  der  Sankt-Blasius-Kirche wie auch in den Seitenstraßen liegen baugeschichtlich interessante Häuser.

Sie sind Zeugnis für den im 18./19. Jahrhundert erworbenen Wohlstand mancher Balver Bürger, denen es gelang, den althergebrachten Status ­eines Ackerbürgers zu überwinden (Eisen-, Kalk- und chemische Industrie).

Mit dem Haus Hauptstraße 37 (im Bild links) ist das Schicksal des Juden David Bondi eng verbunden. Zu seinem Gedächtnis und zur mahnenden Erinnerung an nationalsozialistische Willkürherrschaft wurde dem Bürger Bondy im Neubaugebiet Geringer Schlade eine Straße gewidmet. Der angesehene Bürger und Händler wurde gegen den unverhohlenen Willen mancher Balver 1938 inhaftiert und verschleppt. Bondy kam im KZ Theresienstadt um.

Jüdischer Friedhof 

Der kleine jüdische Friedhof in Balve liegt versteckt am Dechant-Amecke-Weg (vor dem Gesundheitscampus). Es finden sich noch einige Grabsteine dort. Im Jahr 1839 lebten in Balve 17 Juden. Bekannt ist das Haus des Großvaters von David Bondy, Salomon Bondy, erbaut um 1827/28 (Hauptstraße 37, an der Einfahrt zur Kirche). Im Amt Balve lebten seit 1700 nachweislich jüdische Mitbürger. Wie Josef Pütter im Kapitel ,,Das Judentum in Balve“ ausführlich beschrieb (,,Sauerländisches Grenzland ...“, p. 118-120). 

Erhalten geblieben ist die von einem eisernen Spalierzaun umgebene Gruft der Familie Schüler. Über ihre Vorgeschichte in Balve ist wenig bekannt. Am 1. August 1872 gründete jedoch der 1840 in Balve geborene Hermann Schüler, „Nachkomme einer Kaufmannsfamilie, die dort seit Generationen ansässig war“, in Bochum das Bankhaus Schüler, das mit der Geschichte der Stadt Bochum und der Entwicklung der Montanwirtschaft eng verbunden ist.

Der erfolgreiche Geschäftsmann und Bankier war zugleich ein großer Stifter und Mäzen, der auch seine Geburtsstadt Balve bedachte (Spende zur Beschaffung der Kirchenuhr u.a.). Eine angebliche Ernennung zum 1. Ehrenbürger der Stadt Balve (Pütter Seite 120) konnte später nicht bestätigt werden. 

Sein Sohn Paul wurde 1938 als Besitzer einer bedeutenden Sammlung «entarteter Kunst» (Bilder der klassischen Moderne von Liebermann, Nolde, Modersohn-Becker, Pechstein, Jawlensky, u.a.) verhaftet und starb während der Deportation nach Riga Ende 1941/42.

Kaiserliches Postamt (Hauptstraße 25)

Das Kaiserliche Postamt wurde um die Jahrhundertwende in einem repräsentativen Gebäude in klassizistischer Manier errichtet. Ab dem Jahr 1920 nahm dieses Gebäude die Balver Sparkasse auf, die seit ihrer Gründung im Jahr 1881 im Haus des Sparkassenrendanten Cramer in der Hauptstraße 21 untergebracht war (spätere Blasius-Apotheke).

Die Post zog nun um in das Haus Hauptstraße 33 („Post- und Telegrafenamt“). Dieses alte Fachwerkhaus wurde im Jahr 2011 abgerissen, zu einem Neubau kam es nicht mehr. An seiner Stelle findet sich heute ein kleiner gemütlicher Stadtpark, mit Bücherschrank und Sitzecke.

Nach umfangreicher Renovierung stellt sich das Kaiserliche Postamt heute als repräsentatives Cafe in der Balver Stadtmitte dar. Geführt wird es von der Balver Bäckerei Tillmann.

Denkmalschutz in Balve

Mit dem alten Balver Rathaus wurde ein stadtbildprägendes Bauwerk aufgegeben und ein Präzedenzfall geschaffen. Ihm sollten in der Aufbauphase der 50er- bis Ende der 70er Jahre noch weitere Eingriffe in das vertraute, historische Stadtbild folgen, wie es nach dem großen Stadtbrand 1789 vom Landvermesser Gipperich geplant und entworfen wurde: Das Haus Hauptstraße 20 („Sumpf“), die alte Volksschule (Fachwerkbau in der St.-Johannes-Straße), die charakteristische alte Hönnebrücke an der heutigen Sparkasse (alte Molkerei), der historische Häuserzug in der Alten Hospitalgasse, die Mauer der „Arme-Sünder-Gasse“ sowie verschiedene Geschäftshäuser an der Hauptstraße, die teils durch gesichtslose Neubauten oder Parkplätze ersetzt wurden. Viele innerstädtische Gärten sind Parkplätzen gewichen. Die geradlinige Führung der breiten Balver Hauptstraße wurde aufgegeben.

Bedeutender als die Verluste an historischer Bausubstanz wiegt jedoch, wie viele vom Abriss bedrohte Gebäude erhalten werden konnten: Zu nennen sind in erster Linie das Drostenhaus, die ,,Alte Vikarie“ am Kirchplatz (geplante Entschärfung der Kurve der B229), das ,,Küsterhaus“ an der St.-Blasius-Kirche (Abrissplanung durch die Diözese), das ,,Haus Cordes“ (am Kreisverkehr), das Lohgerberhaus und das Alte Gericht (geplante Verbreiterung der Engstelle der Alten Gerichtsstraße), sowie die uralte ,,Klause“ an der Balver Höhle (heute Fa. Nitsche).

Weitere Beispiele erfolgreichen Denkmalschutzes in Balve: die Restaurierung der alten Pastorat, des „Wocklumer Mausoleums“ des Henneke von Schüngel, der ­„alten Mädchenschule“ und des Agatha-Bildstocks am Balver Kirchturm sowie des Hoffmeister-Pröpper-Brunnens und weiterer bedeutender historischer Objekte.

Die Erhaltung gelang oftmals nur mit Hilfe privater Mittel in beträchtlichem Umfang und mit ehrenamtlichem Engagement. Im Jahr 2010 wurde der Kirchturm der Pfarrkirche vollständig restauriert und vor dem Verfall gesichert. Einem geplanten Verputz des ortstypischen Bruchsteinmauerwerks konnte durch entschiedenes Eintreten des damaligen Kirchenvorstands Einhalt geboten werden.

Auch viele Bürgerhäuser der Innenstadt wurden von ihren Eigentümern mit großem persönlichen Engagement und erheblichem finanziellem Aufwand erhalten. So verfügt Balve heute über mancherlei „Schmuckstücke“ und ist mit 108 eingetragenen Objekten der Ort mit den meisten Denkmälern im Märkischen Kreis, im Verhältnis zur Einwohnerzahl.

Das Thema Denkmalschutz bleibt jedoch weiter virulent und ist auch heute nicht abgeschlossen: Durch Verfallserscheinungen, überzogene Denkmalschutzauflagen oder fehlende Mittel sind historische Gebäude im Ortskern von Balve weiter gefährdet. Mit öffentlichen Programmen wird versucht, hier gegenzusteuern.