Die Balver Geschäftswelt um 1963/64

Aufzeichnungen aus dem Stegreif
von Rüdiger Lenk

Da wir gerade über Geschäfte in Balve schreiben und uns austauschen, hier noch mal ein Post von mir aus der Vergangenheit in „du bist Balver wenn…“ .. du dich noch an die alten Balver Geschäfte erinnerst.

In meinem Post über die Gaststätten entlang der Hauptstraße tauchte in einem Kommentar die Frage über das weitere Geschäftsleben im Stadtkern Balves auf.

Ich versuche es Mal aus dem Stegreif "zusammen zu basteln." Wobei ich nicht so auf die Nebenstraßen eingehen werde. Soweit bekannt gebe ich dann noch Hinweise auf event. spätere Nutzung. Beginnen wir unseren Spaziergang unterhalb vom Krankenhaus.

Der Schulweg (zu Fuß) führte uns "Glärbachianer" jeden Tag, bei Wind und Wetter, sommers im Hellen, im Winter morgens in stockdunkler Nacht, durch Balve.

Unterhalb vom Krankenhaus und jüdischem Friedhof war rechts in dem Bruchsteinhaus die Adlerapotheke von Dr. Brüggemann. Noch richtig mit Aufgang und dunklem Holzoffizium. Heute Büro Springer.

Die Straße links rein (St Johannes/ Schieferkuhle) führte zu der alten evangelischen, der dahinter liegenden katholischen Volksschule. Zum Viehhändler Waltermann und zur Pension Waltermann. (Ein Kindergarten war zu der Zeit noch im Wirtschaftsteil des Krankenhauses untergebracht. Ungefähr dort wo heute der OP Anbau ist. Wurde Anfang der 70ger von der THW Truppe um Hubert Flöper und Horst Seemann abgerissen.)

Gehen wir auf der linken Seite weiter Richtung Bahnhof.

Gleich zu Beginn residierte das Balver Hotel Kohne. Erstes Haus am Platze. Später war Friedels Balver Spring auf der Seite des jetzigen Döners. In dem Leerstand und dem Saal hatte eine zeitlang Radio Harnischmacher den Verkauf und die Werkstatt, nachdem er vom Dörntken hier runter gezogen war. Es folgen die Häuser

  • Althaus, heute Watermann
  • Thiel
  • Allhoff

In Höhe der Ampel, vor der Hofstraße, war Schuhhaus Falke. Damals noch 2-geteilt. Rechts Schuhverkauf mit angeschlossener Reparaturwerkstatt, links Lederwaren wie Handtaschen, Taschen etc. Wobei ich nicht mehr genau weiß, ob dort auch so ein Kasten existierte, in dem man durch die neuen Schuhe "durchgucken" konnte, ob sie groß genug waren.

Wo jetzt die Reinigungsannahme ist, war der Gemischtwarenhandel Wollmer, vorher Schürmann. Den Älteren noch bestens bekannt, da es am Schulweg lag. Für 10 Pfg gehörte einem damaligen Schüler die Welt der Süßigkeiten aus den großen Gläsern. Abgefüllt in eine kleine Papiertüte. Renner waren zu der Zeit die magischen Zauberkugeln. Die veränderten beim Lutschen die Farbe. Weiterhin gabs hier auf der linken Ladenseite Lebensmittel und rechts Kinderkleidung und Krimskrams auf einem riesigen Tisch, sowie Haushaltswaren. Nach Wollmer war hier die Musikschule Musikus bevor Sie in den Neubau in der Hofstraße Zogen.

In der Hofstraße waren Sattler Danne, Zahnarzt Koch und Wagenbauer Hering beheimatet.

Weiter auf der Hauptstraße war nach Wollmer die Gaststätte Scheele (Vatikan) mit der Eisdiele im Keller. Hier wurde das Eis "frei Schn... mit einem großen Esslöffel Portioniert. Kleinste Portion 5 Pfg.

Daran schloss sich der große Biergarten und die Gaststätte Bathe an. Heute noch vom Hörensagen besser bekannt als "Sumpf", da hier das alte Hönnebett herlief. Aber auch viele Balver in der Kneipe "versumpften". Linker Seite war die Bäckerei, rechts die Gaststätte. Auch hier gabs Eis. Heute sind dort die Adlerapotheke und Radio Fernseh Staffel.
Im Winkel arbeitete Malermeister Bathe.

Die heutige Volksbank war zu der Zeit das Domizil der Sparkasse.

Biegen wir ab in die Alte Gerichtsstraße. Vorne links war Leni Schaber mit Kurzwaren. Dann kam Obst und Gemüsegroßhandel Bösterling

Im nächsten Haus waren nach Bösterling hin die Bäckerei Guderjahn. Bekannt für die großen, leckeren Schweineohren. Gegenüber von Platte war die Metzgerei Wesner. Hier gabs für uns Kinder beim Einkauf immer ein besonders großes Stück Fleischwurst. (Sind nach Wesel oder Krefeld gezogen und später mit einem Sportflugzeug abgestürzt.) In den Räumen der Bäckerei Guderjahn hatte später eine zeitlanf Rechtsanwalt Frese seine Kanzlei.

Im alten Gericht, heute Polizei, waren das Elektrogeschäft Hugo Platte und das Geschäft Rapp. Auf der anderen Straßenseite war Klempner Platte. Heute Tierarztpraxis.

In der Mittelstraße war die Bäckerei Waldeier. Hier gabs auch Eis. Bekannt bei den Älteren aber durch den Bienenstich mit Streußeln und die riesigen leckeren Mohrenköpfe. Sorry. So hießen die Dinger nun früher mal, liebe Sprachrevolutionäre.

Weiter auf der Alten Gerichtsstraße kamen Schuhmacher Schlüter mit Geschäft und orthopädischer Werkstatt. Danach steht das Haus von Klempner Paul Platte (Platten Paul). Heute Rohleder.

Wir kommen wieder auf die Hauptstraße. Im Buschmeierhaus (Hutmacherin) war die Eisdiele Campo. Sehr beliebt, da italienisches Flair. Italien war gerade als Urlaubsland entdeckt und beliebt. Später war da lange Jahre das Picco Bello ein Anziehungs- und der Treffpunkt in Balve.

Nach dem Großbrand Dransfeld (Metzgerei) zog die Eisdiele Ampezzan hier ein und verkaufte lange Jahre ihre Eiskreationen. Sitzplatz Sonntags? Häufig Mangelware. Danach häufiger Wechsel.

Im nächsten Haus hatten Hagedorns ihr Elektrogeschäft. Heute Neuhaus. Weiter kam Gaststätte Conredel. (Mit Volksbank?) Abgerissen und neu aufgebaut? Heute Busche. Vormals Schlecker. An der Ecke Garbecker Straße war seit jeher Schuhhaus Schneider mit Geschäft und Reparaturwerkstatt.

In der Garbecker Straße schloss sich das Schirm- und Textilgeschäft von Frau Jansen an. Vorher war hier auch mal kurzzeitig die Buchhandlung Wassmuth beheimatet. Das Geschäft von Frau Jansen hat dann Christel Grewe übernommen. Zuletzt war dort Helmut Schweizer beheimatet, bevor er zum Drostenplatz zog.

Weiter in der Garbecker ziemlich weit oben war Zigarren Moog. Schräg gegenüber ist heute noch Grewe. Damals Haushaltswaren, Spielwaren (Vor Weihnachten fuhr immer eine Märklineisenbahn hinterm Schaufenster ihre Kreise und das Fenster war in Kindernasenhöhe immer verschmiert.

Biegen wir kurz in die Hofmeisterstraße ein. Im Lokal der heutigen Grillstube war die Metzgerei Skrowanek, bevor sie zur Hauptstraße zog. Später war hier dann der Imbiss Nowak. Beliebt durch die leckeren dünnen, großen, knusprig panierten Schnitzel.

Weiter kam auf der rechten Seite Bäckerei und Cafe Cordes (Cillie) mit angeschlossener Pilsstube. Im Folgenden, etwas zurückliegenden Haus praktizierte der Tierarzt Arnold Dransfeld.

An der Ecke zum Widukindplatz war Lebensmittel Korbel. VEGE. Daneben eine Heissmangel. Im Bereich der heutigen Neubauten gegenüber vom Rathaus hatte Fahrrad Bathe (Ventilgummi) das Geschäft und dahinter die Fahrradwerkstatt.

Vor Krüdewagen war auf der Garbecker später noch kurzfristig Metzgerei Grewe. Zuletzt Autoteile Schmidt.

An der Ecke die Gaststätte Krüdewagen. In dem heutigen Imbiss Kosta befand sich der Laden von Lebensmittel Hill, später Niehoff.
Es folgt die Gaststätte Drei Könige, Betten. Hier gabs an dem Stand unter dem Treppenaufgang die ersten Pommes in Balve. In einer Tüte für 50 Pfg. Heute ein Restaurant mit Ambiente.

In der Dreikönigsgasse befand sich der Eingang zum Kino Bali. Gegenüber fertigte die Schreinerei Betten. Heute Parkplatz.

Im Gebäude des heutigen Hugo war das Schlachthaus von Skrowanek und eine Fahrschule. Abschluss bildete Zigarren und Papierhandel Carl Cordes. Besser bekannt als Tüten Karl.

Auf der Hauptstraße folgte dann das heutige Gebäude Terbrüggen. In dem befand sich links der Laden von Frau Bernharding mit Kurzwaren. Später die Metzgerei Skrowanek. Rechts war Frisör Fliege mit seinem allseits beliebten und bekannten Gesellen "Schmolls Paul".

Wo zuletzt Frisör Neuhaus war, bestand um die Zeit eine Baulücke. Die Hönne war hier noch offen. Eine Treppe führte an der rechten Seite runter. Bei Hochwasser retteten sich dann auch immer wieder Ratten auf die Stufen. Es folgte an der Ecke zur Kormke das Lebensmittel VIVO von Herdes. Heute Modeneck. Zum Bahnhof hin stand am oberen Ende des neuen kleinen Parkplatzes, früher Stadtpark, der Pavillion der Gärtnerei Feling Müer. Abschluss in diese Richtung bildete der Bahnhof und die Bahnhofsgaststätte.

Über die Fläche des heutigen großen Parkplatzes erstreckte sich Padbergs großer Garten.

Zum Baumberg war links die Praxis Dr. Tuschen (Erst noch in Gemeinschaft mit Dr. Hering). Heute Ketzenberg. Rechts auf halber Höhe praktizierte Tierarzt Dr. Hage.

Im Kochhaus war ein Baustoff- und Kohlenhandel. Schneider? Und Mietwagen Wilmes. Später mit Pommesbude. Heute DEVK.

In der heutigen Pizzeria war die Drogerie Ruschenburg. Es folgt das Haus von Zahnarzt Richter. Heute Zahnlabor. Gegenüber, wie momentan auch noch, Land- und Kohlenhandel Gödde.

Gehen wir auf der Hauptstraße zurück.

Altes Rathaus (Parkplatz Gödde) Amtsgericht. Später Imbiss Willmes. Zuletzt Café Kaffeekanne.
Lebensmittel Streiter.

Gaststätte Padberg mit der öffentlichen Fahrzeugwaage vor dem Eingang. In der Kurve die Molkerei mit einer riesigen Weide davor. In der Kurve in dem Bereich unter dem "S" war der Ladeneingang. Heute Sparkasse. Die Hönne war hier noch sichtbar.

Im Mühlenweg war die Anlieferungsrampe der Molkerei. Im nächsten Haus war später Maler Drees. Heute Hörgeräteakkustiker.

Rechts vor der Kurve war die Werkstatt Krekeler, in der hinterher Hubert Flöper seine Metallschleiferei hatte.

Im nächsten Haus nach dem Mühlenweg befand sich Bäckerei Tillmann. Später Bröker. Heute ist dort das City Cafe. In dem Aufgang war der Frisörsalon von Herbert Marx. Nachdem er in die Bogenstraße umgezogen war, hatte die Polizei hier ihren Posten. Später unterrichteten hier die Fahrschulen Heinrich und Weseler.

Im Jedowskihaus waren links das Textilgeschäft Berken / Prokop und rechts die Metzgerei Jedowski. Deren Schlachthaus befand sich im Bereich des Durchgangs zum Drostenplatz. Etwa in Höhe der Blumengeschäfts war ein hoher Bretterzaun als Sichtschutz. vor dem Blumenhandel war hier Midderhofs Bastlerzentrale.

Weiter gings mit Streiter. Gemischtwaren Zigaretten Filme, Foto, Spielwaren, Souvenirs etc.. Nächstes Haus war Uhren Optik Biggemanns Jupp.

Im Drostenhaus hatte der Schneidermeister Knape seine Werkstatt.

In dem kleinen Haus in dem heute Immobilien Schäfer beheimatet ist, war zwischenzeitlich der Schumacher Gregor ... tätig. Eine Zeitlang hatte hier der CVJM sein Domizil. Vor Schäfer war hier Eisenwaren Marquard und dann die Pizzeria Pino beheimatet.

Im Geschäft Brambour war erst links eine Zeit lang Frau Bernharding, nachdem Sie umgezogen war, mit ihren Strick und Kurzwaren und rechts war dann Wassmuth. Später war hier dann das Blumengeschäft Müer mit Fleuropdienst lange Jahre beheimatet. (Die Gärtnerei befand im heutigen Bereich Ortlieb an der Hönnetalstr.)

In dem nächsten Haus praktizierte links Frau Dr. van Bömmel und rechts machte Frisör Pöppelbaum die Haare. Heute Salon Dana.

Daran schloss sich Schmied Berken (Berken Jüppel) mit Haushaltswaren und Schmiede an.

Im Haus der Blasiusapotheke praktizierte die Kinderärztin Amecke Mönninghoff. In dem Vorgängergebäude der Bäckerei Tillman war rechts Radio Staffel und links das Milchgeschäft von Frau Engel.

Im jetzigen Cafe Tillmann (Altes Postamt) war erst zwischenzeitlich mal Schuhmacher Gregor... Man ging die Treppe hoch und dann war er in seiner kleinen Werkstatt. Umgeben von Leder Schuhen und Werkzeug. Schon am Eingang umwehten einen die Lederdüfte. Später war hier dann lange Jahre die Buchhandlung Wassmuth mit Lotto-Stützpunkt.

In der Bogenstraße hatte Photograf Engel, später Edna Gerdes das Atelier in dem Ladenlokal, in dem zuletzt Hamer war. Weiter in der Straße befand sich das Geschäft von Betten Elektro und Haushaltswaren. Daneben Taxi Schneider (Honnef)

Die große Lücke an der Hauptstraße war früher bebaut. Erst war hier Metzgerei Dransfeld (Wind). Ein Teil vom Schlachthaus steht heute noch in der hinteren Ecke an der Bogenstraße. Später beheimatete es den Konsum und wurde nach dem Konsumauszug geteilt. Zur Bogenstraße hin war Blumen Schmidt und zum Kaufmann Schulte Haus hin die Eisdiele Ampezzan.

Nach dem Haus von Kaufmann Schulte, in dem viel später Paul Stüeken seine erste Praxis hatte, kam die Post.

Später waren hier links die Fahrschule von Heinz Burghardt und rechts Elektro Schulte untergebracht. Heute abgerissen.

Den Abschluss bildete das Textilhaus von Gerken Franz. Erst nur Pavillion. Das Geschäft war dahinter an der Mellener Straße.

Dieser kleine Spaziergang erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich möchte nicht nur Erinnerungen wachrufen oder wachhalten, sondern auch aufzeigen, das Balve früher ein funktionierendes, vielseitiges und sehr abwechslungsreiches Geschäftsleben hatte. Es zeigt aber auch ganz eingehend, wie wir alle durch unser gewandeltes Kauf- und Konsumverhalten gerade bei kleinen Innenstädte zum Niedergang der Vielfalt beigetragen haben.

Wenn du noch Einzelheiten weißt, wäre es schön wenn du dies in einem Kommentar mitteilst.