Tagesgäste im Hönnetal 1934-1939

Auszug aus dem Buch „80 Jahre Musikverein Balve – ein Kapitel Balver Geschichte“. Von Josef Lenze (1986)

Vollständig  1933   1934   1935    1936   1937  1938   1939   1940   1941  1942  1943   1944  1933 - 1945  1945 

Tourismus im Hönnetal von 1934 - 1939

Am 4.5.1934 wurde in der Hönnezeitung angekündigt, dass in den nächsten Wochen von Essen fünf Extrazüge mit ca. 1000 Tagesgästen unser schönes Balve respektive Hönnetal besuchen würden. Am 13.5.1934 trafen 1000 Eisenbahner aus Essen im Tal ein. Viele stiegen bereits in Klusenstein, Binolen und Sanssouci aus. Der Rest besuchte die Stadt Balve. (..)   

Entsprechend der Ankündigung vom 4. Mai 1934 trafen in den nächsten Wochen weitere Sonderzüge ein, jeweils am Bahnhof mit Musik begrüßt wurden. Auch die Besichtigung des Heimatmuseums bildete einen Teil des Programms.   

Am Sonntag, dem 17. Juni 1934, fand in Balve einen „großes Treffen der SA“ statt. Die „Rote Erde“ schrieb in ihrer Vorankündigung am 15.6.1934: “Der gesamte Sturmbann II der Standarte 218 wird in unserer Stadt einen großen Aufmarsch haben. Dies ist umso bedeutungsvoller, als auch an diesem Sonntag wieder ein Sonderzug der Eisenbahner aus Essen in Balve sein wird und auch die sportlichen Kämpfe des ganzen Sturmbanns hier ausgetragen werden.“ Das Tagesprogramm hatte folgenden Verlauf: „8:15 Uhr: Gottesdienst in der Balver Pfarrkirche, 9:00 Uhr: Sportwettkämpfe auf dem DJK Platz, 14:00 Uhr: Antreten der SA-Formationen auf dem DJK-Platz zum Aufmarsch“. Am Abend fanden die „Sportbälle“ in den Gaststätten von Balve statt.   

Am 26.5.1935 trafen zwei Sonderzüge aus Wesel mit eigener Musikkapelle in Balve ein. Am 29.5.1935 berichtete die Hönnezeitung von einem Sonderzug von Arbeitern und Angestellten der Krupp-Werke aus Essen, die von der Balver Musikkapelle vom Bahnhof abgeholt wurden. (…)

Im Juni und Juli 1935 kamen weitere Sonderzüge nach Balve, die wie gewohnt vom Musikverein am Bahnhof abgeholt und bis zur Stadtmitte geleitet wurden. (…)

Anfang September 1936 traf ein weiterer Sonderzug mit 1000 Gästen in Balve ein. Der Musikverein begleitete ihn vom Bahnhof bis zur Stadtmitte. ​  

Am Sonntag dem 4.7.1937 traf ein weiterer Sonderzug, diesmal aus Essen, am Balver Bahnhof ein und wurde vom Musikverein Balve begrüßt und zur Stadt geleitet. 

​Am Sonntag dem 11.7.1937 traf ein Sonderzug aus Dortmund mit 1000 Teilnehmern in Balve ein, am 17. Juli kamen zwei Sonderzüge und vom 20. Juli ein weiterer Sonderzug aus dem Industriegebiet nach Balve. Die Sonderzug-Teilnehmer wurden mit Marschmusik vom Musikverein nach Balve geleitet. ​
 

Am 20.5.1938 berichtete die Hönnezeitung über eine Sitzung des Verkehrsvereins, wonach 1938 in Balve 1609 Gäste mit 10.019 Übernachtungen, 1936 hingegen 2232 Gäste mit 10.120 Übernachtungen weilten; hierin waren die Tagesgäste (Sonderzüge) und die Erholungsgäste im Krankenhaus nicht enthalten.   

​Am 10.6.1939 kamen zwei Sonderzüge mit insgesamt 2500 Gästen aus Bochum nach Balve. Der Musikverein geleitete sie mit Musik vom Bahnhof in die Stadt. ​

_______________

Exkurs: In der Ausgabe der „Roten Erde“ vom 15.6.1934 wurde der Inhaber der Gaststätte “Sanssouci“ scharf angegriffen, weil er „unter Beschimpfungen gegen den Nationalsozialismus und dessen Gaupresse“ es abgelehnt hatte, die „Rote Erde“ zu beziehen. „Stichworte“ der Westf. Landeszeitung „Rote Erde“ gegen den Pächter des „Ausflugslokals Sanssouci", Wilh. Wienböker:

Das herrliche Tal im Sauerland ist weit und breit bekannt und wird besonders von Hagenern sehr gern als Erholungsstätte aufgesucht. Mitten in diesem idyllischen Tal liegt das bekannte Ausflugslokal »Sanssouci«. Dass der Pächter dieses Lokals als einer der schwärzesten Reaktionäre anzusprechen ist, dürfte den meisten Besuchern nicht bekannt sein. Dieser Gastwirt konnte es z.B. nicht unterlassen, vor einigen Tagen einen höflich bei ihm vorsprechend Werber der WLZ gegenüber in der pöbelhafteten Weise gegen den Nationalsozialismus und dessen Gaupresse hetzen. In Zeiten der Bonzokratie gaben sich außer Zentrumsleuten aus der näheren Umgebung in der Hauptsache Juden mit ihren »Dämchen« ins Sanssouci ein Stelldichein. Nach dem Gebaren des Wirtes muss angenommen werden, dass er auch heute noch auf solche Gäste besonderen Wert legt; das mag erhalten wie er will. Sicherlich aber werden sich alle wahrhaften Nationalsozialisten und vor allem unsere Parteigenossen das Betragen des Sanssouci-Wirtes merken und nur dort verkehren, wo der Gastwirt eine andere Auffassung vom Nationalsozialismus hat und im übrigen auch eine nationalsozialistische Zeitung hält.

Was die Beleidigungen angeht, die sich der Pächter der „Sanssouci“ hat zu Schulden kommen lassen, so wird darüber an anderer Stelle noch ein sehr deutliches Wort gesprochen werden.

Aufzeichnungen von J. Lenze