Salomon - eine Erzählung aus Volkringhausen

Salomon

 

Auf der Alexander-Höhe zu Iserlohn sollte Schützenfest gefeiert werden. Der Restaurationswirt musste Fleisch haben, und ließ den Juden Salomon zu sich rufen, um mit ihm dieser halb zu verhandeln. Salomon erschienen. Der Wirt begrüßte ihn und sagte: »Salomon ich muss ein fettes Kalb haben, kannst du mir eines besorgen?«. »Gott, du Gerechter, weiß grad ein fettes, gut fettes Kalb, werde gleich hinfahren, das Kalb holen«. »Sag mal, Salomon, wie teuer kommt das Kalb?«. »Gott, du Gerechter, was soll kosten das Kalb, 50 Pfennige das Pfund«. »Ist das nicht etwas viel Salomon?« »Weiß jedermann, 50 Pfennige ist nicht viel Geld, tu liefern das Kalb, gutes fettes Kalb, Herr Wirt, Sie sollen mit mir zufrieden sein«. »Muss aber das Kalb morgen haben Salomon«. »Werde gleich fahren ins kölske Land, bringe gutes fettes Kalb.« »Abgemacht«, sagte der Wirt, »also bis morgen«.

Salomon ging nach außen, spannte seinen mageren Klepper vor sein Fuhrwerk und trollte los. Zwischen Westig und Hemer wurde er angerufen. Er schaute zur Seite und sah ein junges Mädchen aus Volkringhausen. Ein freudiger Schreck durchlief seine alten Knochen, er rief, »Gott du Gerechter, wo kommst du denn her, Grete, willst mitfahren?« »Fährst du nach Volkringhausen, Salomon?« »Fahre ins kölske Land, dir zuliebe fahre ich durch Volkringhausen, Gott du Gerechter, was tut man nicht für ein junges Mädchen«. »Quatsch nicht so, Salomon, lass mich aufsteigen, nimm mal dieses Kästchen an, und meinen Schirm, so nun bin ich droben, jetzt fahr los, aber tritt mir das Kästchen nicht kaputt«.

»Hab keine Angst, Grete, bin sehr vorsichtig«. Der Rappe zog an, in langsamen Trapp ging es durch Oberhausen(?) nach Sundwig zu. Kurz vor den ersten Häusern spürte Salomon ein sonderbares Krabbeln an seinem Bein. Mit der einen Hand ans Bein fassend, fuhr er elektrisiert hoch: »Gott du Gerechter, wie kommt ein Maikäfer um diese Zeit in meine Hose«. »Ach Gott, Salomon«, rief das junge Mädchen, du hast mir doch wohl nicht meinen Kasten kaputt getreten. Salomon, Salomon, meine Mäuse, meine weißen Mäuse, sind ja alle raus«. »Mäuse, weiße Mäuse, habe ich eine Maus am Bein? Gott du Gerechter, läuft Maus am Bein herauf, ist an meinem Bauch, kann nicht weiter, wegen Leibriemen, läuft rings um meinen Leib herum, Gott, was soll ich machen bei anständigem jungen Mädchen“. Grete hatte in der Tat drei Mäuse in dem Kästchen gehabt, der alte Salomon hatte mit seinen genagelten Stiefeln die dünne Zigarrenkiste zertreten. Anfangs war Grete recht ärgerlich über den Verlust, als sie aber die Gestikulation des Salomon sah, und die Grimassen, die sein Gesicht schnitt, musste sie doch laut auflachen. Der Gaul war stehen geblieben. Salomon betastete seinen ganzen Unterkörper ab, aber wo er hin griff, war die Maus schon wieder weg. Da spürte er das Krabbeln im Rücken. »Gott du Gerechter, Grete, darf ich‘s wagen, pack zu!« Und Grete packte zu, aber die Maus war flink. Bald am Bauch, bald am Rücken. Er tastete seinen Bauch ab, und Grete seinen Rücken. Salomon lamentierte, und pries alle Väter glücklich, die keine weißen Mäuse an sich hatten. Grete lachte in einem fort, betastete seinen Rücken, kam auch mal an seine Rippen, so dass Salomon laut aufschrie: »Gott du Gerechter, hat sich die Maus durchgefressen unter den Leibriemen, was soll ich machen, Grete, darf ich‘s wagen?« Grete krümmte sich vor Lachen und rief: »Mach was du willst«. Eine Anzahl Passanten hatte sich angesammelt, die alle den Salomon kannten, aber nicht wussten, um was es sich handelte, sie glaubten der Salomon sei verrückt geworden. Mit einem Ruck riss Salomon seinen Leibriemen los, und lockerte seine Hose. Die Leute riefen Grete zu: »Fräulein steigen Sie doch ab«, aber Grete stieg nicht ab. Die Maus hatte gemerkt, dass der Weg frei war, und krabbelte auf Salomons Brust. Salomon riss die Weste und das Hemd auf, griff nach der Maus; diese aber hatte Schutz gesucht in der linken Armhöhle. Salomon konnte hier nicht zugreifen, denn mit der rechten Hand hielt er seine Hose fest. Er rief Grete zu: »Grete, pack zu, unter dem Arm ist sie«. Grete griff zu, hatte aber den verkehrten Arm gegriffen. Salomon war kitzelig und wäre beinahe bei Gretes Griff kopfüber vom Wagen gefallen. Der Zuschauer wurden immer mehr, und die Lachsalven immer toller. Die Maus hatte ihre schützende Höhle verlassen, und lief quer über Salomons Rücken der rechten Schulter zu, war gerade im Begriff, sich auf seiner Brust festzusetzen. Aber Salomons Faust drängte sie ab, plötzlich kam die Maus aus dem Hemdkragen ans Tageslicht, verirrte sich in Salomons Wollbart. Grete sah sie, ein Hoffnungsstrahl durchlief sie, vielleicht konnte sie noch ein Exemplar retten, griff danach, zu gleicher Zeit griff auch Salomon danach. Er hatte etwas Weiches erfasst, die Maus, und schleuderte sie vor sich. Aber nicht die Maus, sondern Gretes Hand hatte er gepackt, die durch den gewaltigen Schwung einen eleganten Halbkreis beschrieb. Salomon, das erkennend, wollte sich entschuldigen und sprach: »Gott du Gerechter, Grete, was musst du meinethalben aushalten«. Die Jagd ging weiter, bald am Hals, bald im Bart, bald im Kopfhaar. Endlich sprang die Maus unter die angesammelten Menschen, die zuerst erschreckt zurückwichen, dann aber die Maus zertraten. Da atmete Salomon erleichtert auf, nahm seinen Taschentuch wischte sich den Schweiß ab. Die Leute, als sie die Situation begriffen, beglückwünschten Salomon, dass er solchen Plagegeist glücklich losgeworden sei. Salomon und Grete fuhren unter brausendem Jubel der Zuschauer davon.

Als Salomon und Grete die letzten Häuser von Sundwig hinter sich hatten, und das Pferd im Schritt weiterging, erkundigte sich Salomon bei Grete nach einem fetten Kalb. »Ja«, sagte Grete, »Schulten Mäiske in Volkringhausen hat so ein Kalb«. »Prächtig«, erwiderte Salomon, »ich habe gleich gedacht, ein gutes Werk tue ich, wenn ich die Grete mitnehme, wird mir Gott belohnen, Schulten Mäiske ist eine resolute Frau, werde kaufen das Kalb«.

Bei Gasthof Schulte in Volkringhausen stieg Grete ab, Salomon führte sein Gespann zu einer der neben dem Hause stehenden Pferdekrippen. Dann rief er einem jungen Knecht zu, er solle dem Pferde für zehn Pfennig Heu geben. In die Stube tretend begrüßte ihn die Wirtin als alten Bekannten, goss ihm den gewohnten Schnaps ein, und erkundigte sich nach dem Geschäft. Salomon klagte über schlechte Zeiten, und fügte hinzu: »Schulten Mäiske, bei euch steht wohl ein fettes Kalb?« »Ja, zwei sogar« erwiderte die Wirtin. »Werd ansehen die zwei Kälber, und kaufen eins bestimmt«. Salomon ging zum Kälberstall, betastete die Tiere nach Kennerart, und nahm eins gleich mit, und lud es auf seinen Wagen. »Nun Salomon«, sprach die Wirtin, was zahlst du denn für das Tier?«

„25 Pfennig das Pfund, Schulten Mäiske, ist ein guter Preis, zahle solchen hohen Preis auch nur, weil ich so rasch gefunden habe ein Kalb«. Das Kalb wurde gewogen, Salomon zahlt den Preis, und trollte ab. Kaum war er abgefahren, kam der Metzger Gottlieb aus Balve, und fragte ebenfalls nach einem Kalb. Die Wirtin, die beide Kälber nicht verkaufen wollte, bedauerte, dass Gottlieb etwas zu spät gekommen sei, Salomon sei mit dem Kalb gerade abgefahren. »Aber sagt mal Gottlieb, was zahlt ihr für Kälber?« »30 Pfennige« erwiderte Gottlieb. »Donner noch mal, da hat mich der Salomon doch drangekriegt, der hat mir nur 20 gezahlt«.

An einem Fenster der Wirtsstube hat ein Schuster seine Werkstatt aufgeschlagen - der lange Kaspar. Er hatte gerade ein paar neue Pantoffeln fertig, und schlug die letzten Pinne in die Sohle, er hatte den ganzen Handel mit angehört. »Schulten Mäiske«, sprach er, »wenn ihr mir zwei Mark gebt, hole ich das Kalb wieder«. »Nanu«, entgegnete die Wirtin, »das bringst du doch nicht fertig«. »Aber ganz gewiss«, meinte Kaspar, »ich nehme dem Salomon das Kalb vom Wagen, ohne dass er es merkt, und bringe es zurück«. »Abgemacht, rief die Wirtin, wenn du das fertigbringst, kriegst du zwei Mark«.

Kaspar besann sich nicht lange, legte seine Schürze ab, packte die beiden fertigen Pantoffeln unter den Arm, und rannte Salomons Wagen nach. Kaspar hatte lange Beine, und bekam den Wagen bald in Sicht. Dann bog er seitwärts ab, kam unterhalb Kalthoff wieder auf die Straße, wartete hier die Ankunft Salomons ab. Als er ihn anfahren hörte, ließ er einen Pantoffel auf die Straße fallen, und ging weiter. Salomon kam an die Stelle, sah den Pantoffel, hielt an und sagte für sich: »Liegt da nicht ein Pantoffel auf dem Wege, Gott du Gerechter, würde sich Sara freuen, wenn ich ihr mitbringe neue Pantoffeln. Ein linker Pantoffel ist´s, aber Sara hat zwei Beine, muss haben zwei Pantoffeln, ist der Fund also nichts“. Er fuhr weiter, und kam um eine Wegebiegung. Kaum 50 m weiter lag wieder ein Pantoffel auf dem Wege, ein rechter Pantoffel. »Gott, du gerechter, hat der Kerl verloren beide Pantoffeln, wird sich Sara freuen, wenn ich ihr mitbringe beide Pantoffeln“. Er hielt den Gaul an, stieg ab, und ging zurück, den ersten Pantoffel zu holen. Kaum war er um die Wegebiegung, kam der lange Kaspar, nahm das Kalb vom Wagen und verschwand in einem Nebenpfad. Als Salomon zurückkam, war Kaspar längst auf dem Wege nach Volkringhausen. Als Salomon zu seinem Fuhrwerk zurückkam, verstaute er erst seine Pantoffeln, stieg auf seinen Sitz, und fuhr los! Nach einiger Zeit guckte er sich um, und entdeckte, dass er mit einem leeren Wagen fuhr. Das Kalb war weg, das hintere Brett hatte sich gelöst. Vor Schreck starrte er auf den leeren Inhalt seines Kastenwagens. »Gott du Gerechter, kommt doch heut alles über mich, zuerst die Mäuse, kann ich bezahlen die Mäuse, jetzt Kalb fort, habe gezahlt mit schönes Geld, was wird Sara sagen, wenn sie hört von meinem Missgeschick. Was kann ich machen, muss umkehren nach Schulten Mäiske, muss kaufen das andere Kalb. Gott du Gerechter, dass so einem alten ehrlichen Mann sowas passieren kann“.

Salomon fuhr zum zweiten Male bei der Wirtschaft Schulte vor. Der lange Kaspar, der wieder auf seinem Schustersessel am Fenster saß, schlug gerade eine nass gemachte Sohle bereit, dass die Spritzer weit umherflogen. Mit trübseligem Gesicht trat Salomon ein. Die Wirtin begrüßte ihn freundlich, und tat erstaunt über sein Wiederkommen. »Bist doch ein ehrlicher Mensch, Salomon, bist extra zurückgekommen, die zehn Pfennige fürs Heu zu bezahlen, war aber nicht nötig, extra wiederzukommen, konntest du auch nächstes Mal besorgen«. Salomon war aber zum Scherzen nicht aufgelegt. Mit stockender Stimme begann er: »Nichts für ungut, Schulten Mäiske, die zehn Pfennige bezahle ich, doch bin ich nicht deshalb zurückgekommen, sondern ich muss das andere Kalb haben, mein Kalb ist weg, ist vom Wagen gesprungen, das Schüttbrett hat sich gelockert«. »Was sagt der Salomon, dein Kalb ist weg, du machst wohl Spaß«. »Gott du Gerechter, Schulten Mäiske, ist kein Spaß, ist bitter ernst«. »Warum hast du das Kalb denn nicht wieder gefangen, so ein Tier kann doch nicht weit laufen«. »Hab nichts gehört, nichts gesehen vom Kalb, Kalb ist weg, Schulten Mäiske, Sie müssen mir verkaufen das andere Kalb«. »Weil du so Missgeschick gehabt hast, Salomon, sollst du das andere Kalb haben«. »Schulten Mäiske, Sie sind eine gute Frau, und preise Gott den gerechten, dass Sie mir helfen aus der Not«.

Das Kalb musste wieder mit 20 Pfennige das Pfund bezahlt werden, Salomon seufzte tief, als er seinen Geldbeutel zog. Aber doch halbwegs zufrieden, dass er so rasch Ersatz bekommen hatte, wenn er auch nichts mehr verdienen konnte, er verlor doch nicht wenigstens seine Kundschaft.

Kaum war er fort, sagte Kaspar: »Schulten Mäiske, gibt noch mal zwei Mark, und ich hole auch dieses Kalb wieder«. »Oh, Junge« rief die Wirtin, »das bringst du jetzt aber doch nicht mehr fertig, Salomon ist vorsichtig geworden«. »Ganz egal«, meinte Kaspar, »ich bringe das Kalb«. Des Spaßes halber ging die Wirtin den Handel ein. Kaspar nahm denselben Weg wie vorhin und kam an die Stelle, wo er das erste Kalb stibitzt hatte. Hier verbarg er sich in den Büschen. Als Salomon in seine Nähe kam, ließ er ein Blähen vernehmen, mäh – mäh - ertönte es lang gestreckt aus dem Buschwerk. Salomon stutzte, hielt an und forschte. Wieder ein »mäh«, dazu noch ein ganz erbärmliches. Das bewog Salomon abzusteigen. »Gott du Gerechter, mein Kalb«. Und schon krabbelte er die Böschung hinauf, kollerte aber einige Male zurück, bis es ihm schließlich gelang, eine Haselnussstaude zu erhaschen, und empor zu kommen. Durch sein Gepolter war das Kalb erschreckt und blähte wieder hinten im Gebüsch. Salomon bahnte sich schwerfällig einen Weg in jener Richtung, rief ab und zu: »Muisken - Muisken«. Aber durch das Auseinanderbiegen und Knacken des Unterholzes wurde Muisken erschreckt, es lief immer weiter zurück. Zuletzt hörte er nichts mehr, wusste auch nicht mehr, wo er war. Resultatlos musste er die Sache aufgeben. Als er zum Wagen zurückkam, stockte fast sein Herzblut. Das hintere Wagenbrett hatte sich wieder gelockert, ein Blick ins Wageninnere, oh Schreck, das Kalb war weg. »Gott du Gerechter, wie kannst du mich strafen, für meiner Väter Sünden, meine Sara, meine Arme Sara, Gott du Gerechter, wo soll ich nun her nehmen ein Kalb«.

Nach kurzem besinnen machte er kehrt, und fuhr zum dritten Male bei der Wirtschaft Schulte vor. Der Kaspar saß wieder am Fenster, grinste zur Wirtin hinüber und sprach: »Er kommt«.

Salomon fuhr vor, und bestellte wieder für zehn Pfennig Heu. Dann trat er ein. Die Wirtin tat erstaunt. »Was hab´ ich Pech heute«, begann Salomon, »ein Unglückstag heute, bin doch ein Sabbatskind, geboren am heiligen Sabbat, sagte meine Mutter selig, was Glück Salomon, bist Sabbatskind. Gott, du gerechter, hat meine Mutter nicht gewusst, dass ich muss so Pech haben mit den Kälbern. Schulten Mäiske, weißt mir kein Kalb mehr, Kalb ist weg, rein weg, Gott du Gerechter, was soll ich sagen meiner Sara, wird sagen: Salomon, dich straft der Herr für deine Sünden, bin ich doch ehrlicher Mann, was soll ich nur machen, muss haben ein neues Kalb«.

»Was sagst du da Salomon«, fragte die Wirtin, »du hast doch zwei Kälber gekauft, und jetzt hast du noch immer keins«. »Gott du Gerechter, weiß ich nicht, wo sie geblieben sind die Kälber, beide weg. Wollt mich zerreißen meine Kleider und zerraufen meinen Bart, dass ich hab solch Pech, meine Sara, meine Arme Sara, wartet auf mich, und ich komm nicht«.

Die Wirtin sprach ihr Bedauern aus, und sagte ihm, bei solchem Pech wolle sie ihm nochmals aushelfen, sie habe noch zwei Kälber. Aber, fügte sie hinzu, dieses Kalb kostet aber 30 Pfennige das Pfund. Salomon freute sich, als er aber den Preis hörte, kam er ins Husten und sagte: Schulten Mäiske, sie sind eine gute Frau, weit und breit gepriesen, ich bin geschlagener Mann, armer Mann, habe bezahlt zweimal 25 Pfennige, Geld verloren, muss Leben mit meiner Sara, Sara will essen. 30 Pfennige das Pfund, viel Geld, geht mein ganzes Geld auf, kann nicht bezahlen mein Schnaps, hab auch Hunger auf ein Schnittchen, Schulten Mäiske, ein Schnittchen muss mit dabei«.

»Gut Salomon, satt essen sollst du dich obendrein, aber 30 Pfennige kostet das Kalb«. »Gott du Gerechter, muss beißen in den sauren Apfel, und zahlen 30 Pfennige«. Dann erhielt Salomon ein Essen, ein richtiges Abendessen, Bratkartoffeln mit Wurst, Spiegeleier, Butter und Brot. Salomon hatte den ganzen Tag nichts gegessen und aß fast alles auf. Dann wurde das Kalb besehen. Während Salomon im Stall war, ging der lange Kaspar hinaus, und nahm die Pantoffeln vom Wagen. Das Kalb wurde aufgeladen, und Salomon wollte bezahlen. Das sagte die Wirtin: »Salomon, du hast Pech heute, bist doch ein Sonntagskind, deine Mutter soll Recht haben, Sonntagskinder haben Glück, du hast für die beiden Kälber 50 Pfennig bezahlt, dieses kostet dir nur 30. Den Schaden sollst du aber nicht tragen, ich zahle dir pro Pfund 20 Pfennige heraus«. Da machte der Salomon große Augen, drückte der Wirtin die Hand und sprach: »Schulten Mäiske, Gott der gerechte wird euch lohnen, was ihr tun wollt, muss ich erzählen meiner Sara, von Schulten Mäiske in Volkringhausen«. Die Wirtin zahlte ihm richtig 20 Pfennige pro Pfund zurück, hocherfreut fuhr Salomon ab. Zum langen Kaspar aber sagte die Wirtin, »jetzt lässt du ihn aber fahren«. Salomon kam mit dem dritten Kalb glücklich zu Hause an, und erzählte seiner Sara, und allen die es hören wollten, von seinem Erlebnis. Und schloss stets mit dem Satz: »Die Schulten Mäiske in Volkringhausen ist die beste Frau im ganzen kölsken Land«.