In der Zeit der Bedrängnis. Von J. Lenze

Der nachfolgende Abschnitt über die Zeit des Nationalsozialismus und seine Auswirkungen auf das Leben in Balve ist ein Auszug des Kap. III aus dem Buch „80 Jahre Musikverein Balve – ein Kapitel Balver Geschichte“.

Geschrieben hat es der Verfasser Joseph B. Lenze zwischen 1983 und 1986. Er ging damit weit über den eigentlichen Anlass, die Würdigung des Jubiläums des Musikvereins Balve im Rahmen eines Festhefts, hinaus. Das Buch ist lesenswert und bietet tiefe Einblicke in das damalige Leben im Balver Land. Besonders plastisch ist das Kapitel über den Nationalsozialismus geschrieben, die „Zeit der Bedrängnis“. Hier verknüpft Lenze über 50 Seiten Tagesberichte und Anekdoten aus dem Alltagsleben des Musikvereins mit Recherchen in der damaligen Tagespresse (Hönnezeitung), wie sich die nationalsozialistische Indoktrination und das Terrorregime auf das Leben in Balve auswirkte. Die „Gleichschaltung“ und das Mitläufertum, wie auch der alltägliche Widerstand im Kleinen, wird am Beispiel des Musikvereins Balve beschrieben. Ebenso die Einschränkung des religiösen Lebens und der kirchlichen und weltlichen Traditionen durch die menschenfeindliche Nazi-Weltanschauung.

Manches hinterfragt man heute kritischer. Berichte über das Geschehen im Hönnetal lagen zum Beispiel längst vor; das Thema wird von Lenze aber kaum gestreift. Sein Bemühen um objektive Berichterstattung der Balver Situation ist dennoch glaubhaft. Ihm geht es darum, als Chronist die Opfer zu würdigen, Zivilcourage Einzelner im Alltag festzuhalten und Verständnis aufzubringen, indem er auch die damaligen Täter und Mitläufer als „Verführte“ und „Verleitete“ beschreibt. Es liegt ihm fern, "alte Wunden" aufzureißen; vielmehr will er das Wissen über diese Zeit für die Nachwelt erhalten und fruchtbar machen.

Der 50-seitige Originaltext wurde geringfügig gekürzt.

Nach Jahren geordnet...
1933   1934   1935    1936   1937  
1938   1939   1940   1941   1942   
1943   1944   1933 bis 1945 
1945 

 

80 Jahre Musikverein Balve – ein Kapitel Balver Geschichte.

Von Joseph B. Lenze 

Inhalt:

I. Im Kaiserreich  p.9
II. In der Weimarer Republik  p.30
III. In der Zeit der Bedrängnis (1933-1945)  p. 56
IV. In der neuen Freiheit   p. 106
Gründer, Vorsitzende und Dirigenten des Musikvereins   p. 199
 

Vorwort von Hubert Hahn, 1. Vorsitzender

Vereinsjubiläen fordern bekanntlich immer dazu auf, Rückschau zu halten, Bilanz zu ziehen, Ereignisse aufzuzeichnen und zu überliefern. In den 80 Jahren unserer wechselvollen Vereinsgeschichte ist vieles geschehen. Es war an der Zeit, das Auf und Ab der Vergangenheit festzuhalten, ehe es unwiderruflich verloren geht. (…)

Der Verfasser, der selbst mehr als ein halbes Jahrhundert der beschriebenen Zeitspanne in Balve miterlebt hat, musste dennoch recherchieren, sammeln, hinterfragen, ordnen und korrigieren. Josef B. Lenze, der nicht zu denen gehört, die sich untätig der Langeweile hingeben, hat durch seine Bereitschaft, uns zu helfen, durch sein Bestreben, sich mit der Geschichte seiner Heimat zu beschäftigen, uns einen großen Dienst erwiesen, wofür wir ihm herzlich danken. (…)

Vorwort von Joseph Lenze, Verfasser

Als mich im Herbst 1983 der Musikverein bat, ein „Festheft“ für das am 11.2.1984 stattfindende 80-jährigen Jubiläum zu schreiben, war es - zumal nur noch wenig vereinseigene Unterlagen von 1904-1945 vorhanden waren - für den Termin 1984 zu spät. Die Nachforschungen im Archiv des Musikvereins, in den Pfarrarchiven, im Stadtarchiv, in der einschlägigen Literatur und anderen Quellen zogen sich begreiflicherweise länger als erwartet hin. Außerdem mussten, da später noch weitere Akten aufgefunden wurden, Einarbeitungen und Korrekturen vorgenommen werden, die den Lauf der Arbeiten erheblich beeinträchtigten. (…) Ereignisse, Vorgänge und Zusammenhänge aus der Zeit des „1000-jährigen Reiches“ zu beschreiben, brachte besondere Schwierigkeiten mit sich, da es heute - 40 Jahre danach - in einer kleinen überschaubaren Gemeinschaft vermieden werden muss, Wunden aufzureißen, ohne dabei die Wahrheit zu verschweigen. Ob und inwieweit mir dies gelungen ist, kann die Leserschaft beurteilen. (…)

Wer das Buch mit Aufmerksamkeit liest, wird feststellen, dass die Volksmusik über Jahrzehnte hinweg unser Leben begleitet hat. Der Musikverein spielte bei Prozessionen, Orgelkonzerten, Gottesdiensten, Beerdigungen und am Ehrenmal für die Gefallenen und die Opfer der Gewalt; er spielte zum Lobe Gottes, zur Erbauung und zum Trost der Menschen. Er spielte auch zu fröhlichen, frohen und heiteren Anlässen, zu Schützenfesten, Geburtstagen, Hochzeiten, Jubiläen und vielen anderen Festen, um den Menschen Freude zu bringen.