Am 18.2.1934 berichtete die Hönnezeitung über eine Sammlung der NS-Frauenschaft für Erstkommunionkinder und Konfirmanden. Die Sammlung erbrachte eine Summe von Reichsmark 133,-. Diese Meldung zeigt, wie wenig in den ersten Jahren die Bürger das wahre Gesicht ihrer Partei kannten. Es zeigt aber auch, dass die Mehrzahl derer, die damals mitmachten, „im guten Glauben“ beitraten und „mitmachten“, bis sie den falschen Weg erkannten. Dann fanden nur die wenigsten den Mut, auszuscheiden und sich zurückzuziehen.

Am Sonntag, dem ein 21.2.1934, wurden 140 Balver Frauen, wie die Hönnezeitung berichtete, in die NS-Frauenschaft aufgenommen. Diese hohe Zahl mag den Leser heute überraschen. Es muss hierbei jedoch berücksichtigt werden, dass viele Frauen von Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes und sogenannter öffentlicher Betriebe (VEW, AOK, Amtsgericht, Banken und Sparkassen u.ä.) sowie die Lehrerinnen “freiwillig-gezwungen“ -  nolens volens - ihren Beitritt erklärten. Hinzu kam, dass auch unverheiratete Frauen ab dem 21. Lebensjahr der NS-Frauenschaft beitreten konnten. Während die NS-Frauenschaft von der NS-Partei in ihrer Arbeit unterstützt wurde, wurde die Arbeit der kirchlichen Frauenverbände zusehends erschwert. Zeitzeugen berichten, dass es mehrfach zu Verhören von Vorstandsmitgliedern der kirchlichen Frauenvereine durch die Behörden und die Gestapo kam.

Im Februar 1934 wurde das Gemeindeverfassungsgesetz geändert. Die am 12.3.1933 gewählten Gemeindevertreter verloren ihr Stimmrecht. Lediglich der Gemeindevorsteher, der Ortsgruppenleiter der NSDAP und der Führer der SA hatten Entscheidungsbefugnisse. Die gewählten Gemeindevertreter wurden nur noch als beratende Mitglieder eingeladen. Theodor Pröpper und andere betrachteten dies als Desavouierung und nahmen an den Sitzungen nicht mehr teil.

Anfang 1934 hatte die SS in Balve bereits 12 Mitglieder, wie aus einer Meldung der Hönnezeitung vom 26.2.1934 hervorgeht. In den folgenden Jahren wurde über Aktivitäten der Balver SS nicht mehr berichtet.

Wie die Hönnezeitungam 27.2.1934 berichtete, galten nach der neuen Feiertagsordnung der 1. Mai (Tag der Arbeit), der fünfte Sonntag vor Ostern – Reminiscere - (Heldengedenktag) und der erste Sonntag nach Michaelis (Erntedanktag) als nationale Feiertage. Außer diesen Feiertagen und allen Sonntagen wurden noch folgende Tage als Feiertag festgesetzt: Neujahrstag, Karfreitag, Ostermontag, Himmelfahrtstag, Pfingstmontag, der Bußtag am Mittwoch vor dem letzten Trinitatis-Sonntag und der erste und zweite Weihnachtstag. Hinzu kam in überwiegend katholischen Gegenden der Fronleichnamstag und in überwiegend evangelischen Gebieten der Reformationstag.

Am 4.3.1934 meldete die Zeitung, dass Dr. Hans Menne als erster Bürger von Balve im Rundfunk sprechen würde. Dr. Hans Menne sprach über „zeitgenössische Dichter und Künstler in Westfalen“. Dr. Menne bekleidete im Übrigen ab 1935 - neben seinen parteipolitischen Aktivitäten - zeitweilig das Amt des ersten Vorsitzenden des Verkehrsvereins Balve. Dem Verkehrsverein Balve gelang es damals, große Besucherströme aus dem Ruhrgebiet nach Balve zu holen.

Am 19.3.1934 verstarb Metzgermeister Clemens Dransfeld. Kriegerverein und Musikverein gaben ihm das letzte Geleit.

Am 5. April 1934 fand eine Generalversammlung des Musikvereins statt, in der für den erfahrenen Hotelbesitzer Heinrich Kohne der Gastwirt Wilhelm Scheele zum stellvertretenden Vorsitzenden des Musikvereins gewählt wurde. Es wurde über Beitrags-und Kassenfragen gesprochen. Dann hieß es wörtlich im Bericht der Zeitung: „Um den vielen in letzter Zeit auftauchenden Gerüchten über eine eventuelle Auflösung des Musikvereins entgegenzutreten, wird hiermit ausdrücklich festgestellt, dass der Musikverein weiter existiert und nicht so schnell aus der Liste der Balver Vereine gestrichen wird.“ Diese Zeilen machen deutlich, dass in der Versammlung offene Worte gefallen sein müssen. Der Musikverein war es leid, immer wieder als SA-Kapelle tituliert zu werden. Er wollte ein selbstständiger Verein, er wollte der Musikverein Balve bleiben, wenngleich er selbst - sicher unter Druck - am 5.11.1933 den Beschluss gefasst hatte, künftig ein „Doppelleben“ - einmal als „Musikzug der Reserve-SA Balve“, zum anderen als „Musikverein Balve“ - zu führen. Hinzu kam der Druck von oben, wonach nicht nur der einzelne Musiker, sondern auch die Musikvereine gehalten waren, der „Reichsmusikerschaft in der Reichsmusikkammer“ beizutreten. Zum Schluss dieses Artikels wies die Hönnezeitung auf die im kommenden Sommer stattfindenden beliebten Platzkonzerte hin, die hauptsächlich sonntags bei gutem Wetter veranstaltet würden. Im gleichen Versammlungsbericht wurde bedauert, dass beim Osterfeuer am Ostersonntag, dem 1.4.1934, die Musik gefehlt habe. Wörtlich hieß es: „Es fehlt nur noch das Miserere, und der Trauerzug wäre fertig.“ Das Fehlen des Musikvereins beim Osterfeuer war sicher auf den ständigen Druck von oben auf den Musikverein zurückzuführen. Hugo Camatta - aktives Mitglied des Musikvereins von 1930 bis 1936 - erinnert sich, dass es wegen des Tragens der SA-Uniformen erhebliche Außeneinandersetzungen im Verein gegeben hat. Im Übrigen sei die SA-Uniform nur kurze Zeit (von November 1933 bis April 1934) getragen worden. Einige Mitglieder, darunter Hugo Camatta, hätten die SA-Uniform jedoch nie angezogen. Für ihn sei dies leichter gewesen, da er die italienische Staatsangehörigkeit hatte.

Aus dem Protokoll des 5.4.1934, welches vor kurzem wieder aufgefunden wurde, geht - wie bereits erwähnt - unter anderem hervor, dass Johann Mesters als Vorsitzender mitteilte, dass „Musikzüge der SA“ aufgrund eines Befehls der Obersten SA-Führung in Berlin aufgelöst worden seien. Johann Mesters sagte dann weiter wörtlich: “Wer nunmehr, nach Auflösung der Musikzüge, noch Mitglied der SA-Reserve bleiben will, kann das tun; andernfalls muss er austreten.“ Im Protokoll hieß es dann wörtlich weiter: „Wir nehmen in Zukunft nur noch Geschäfte gegen Barzahlung an!“ Hier muss man schon zwischen den Zeilen lesen können, um den Sinn zu begreifen.

Der 1. Mai 1934 - „Tag der nationalen Arbeit“ - stand nach der Absicht der damals Beteiligten - weniger unter „NS-Vorzeichen“, als unter dem Bemühen der Balver, aus diesem Tag ein eigenes „Balver Fest“ zu machen, wenngleich notwendigerweise die NSDAP das Sagen hatte. Die Aufstellung des „Steines der Arbeit“, unter großen Mühen aus dem Allhoff´schen Steinbruch herbeigefahren, in die Erde gelassen und aufgestellt, sollte mehr den Charakter einer „Balver Institution“ als den eines „NS-Symbols“ haben, wenngleich in den Artikeln der Hönnezeitung auf den „Führer“ Bezug genommen wurde. Der Chronist möchte an dieser Stelle nicht verschweigen, dass der „Stein der Arbeit“ und die drei Eichen nicht nur das „tausendjährige Reich“, sondern auch die Nachkriegszeit bis auf den heutigen Tag überdauert haben. Aus dem „Platz der Jugend“ von 1934, auf dem alle Mai-Kundgebungen während des „Dritten Reiches“ stattfanden, wurde durch Ratsbeschluss Anfang der Sechzigerjahre ein Kinderspielplatz gemacht. Um einen „ungefähren Eindruck“ vom damaligen Geschehen zu vermitteln, geben wir beistehenden Artikel der Hönnezeitung von 1934 im Faksimile bekannt (siehe folgenden Exkurs). In einem weiteren Artikel wurde auf die „Dank-und Mai-Andacht“ am gleichen Tage hingewiesen; wieder ein Beweis dafür, dass man sich in den ersten Jahren bemühte, engen Kontakt mit der „Ortskirche“ halten, da man wusste, nur auf diese Weise nach und nach die Menschen für sich gewinnen zu können. Allerdings hielt dies nicht lange an. Schon 1935 begann die Zurücksetzung der kirchlichen Vereine, und ab 1937 wurden die Gottesdienste nicht mehr in die Feiertagsprogramme (1. Mai, Erntedank) aufgenommen.

Exkurs: Bericht der Hönnezeitung über das "Balver Denkmal" für den Tag der Arbeit (1934).

Das Balver Denkmal für den »Tag der Arbeit«

Was rennt das Volk,
was wälzt sich dort
die langen Gassen brausend fort?
Stürzt Balve unter Feuersflammen?
Es hortet sich das Volk zusammen,
und einen Kalkstein riesengroß
gewahr ich aus dem Menschentross.

Hätte Friedrich von Schiller noch gelebt und wäre er zufällig in unserem Orte in der Sommerfrische gewesen, hätte er ferner noch nicht den »Kampf mit dem Drachen« gedichtet, vielleicht würde er mit obigem Vers die große Sensation vom letzten Samstag für immer verewigt haben.

Am letzten Samstag war es nämlich, als man in Balve einen nicht alltäglichen Zug beobachten konnte. Zwei Trecker zogen einen Wagen, der einen Stein im Gewicht von 300 bis 400 Zentnern trug. In wochenlanger Arbeit hatte man den Steinen bei der Allhoff´schen Ziegelei ausgegraben. Nun begann der schwierigste Teil. Der Stein musste verladen und einen Kilometer weiter zum »Platz der Jugend« gebracht werden. Von Iserlohn musste man eigens einen Wagen herbeischaffen, der das Gewicht des Steines tragen konnte. Mittels mehrerer Flaschenzüge und einer Reihe von Arbeitern der Allhoff´schen Ziegelei gelang es nach stundenlangen Anstrengungen, den Stein auf den Wagen zu winden. Besonderes Lob bei dieser »Pferdearbeit« haben sich die Ziegeleiarbeiter erworben, denn selbst nach Feierabend haben sie sich noch mit dem Riesen abgemüht. Samstagabend gegen 8:30 Uhr war der große Moment gekommen, als der bezwungene Riese von zwei Treckern durch unser Städtchen gezogen wurde. Ob dieser Sensation war natürlich jeder auf die Straße geeilt, um die Heldentat der fleißigen Arbeiter der Faust zu bewundern.

Auf der Brücke staute sich der Verkehr, was gewiss seit der Jahrtausendfeier nicht wieder vorgekommen sein dürfte. Ängstliche Gemüter glaubten, dass die Brücke das Gewicht nicht tragen könne. Sie wurde deshalb von der Polizei von den Passanten geräumt. Die Brücke war jedoch stärker als man annahm. Immerhin: Vorsicht ist besser als Nachsicht! Vor dem Feuerwehrgerätehaus wurde der Stein mit dem Feuerwehrschlauch bearbeitet. Der gröbste Dreck wurde hinuntergespült. Ein schwieriges Stück Arbeit war auch noch zu leisten, um den Steinen den steilen Berg hinauf zu fahren. Es stellte sich heraus, dass die beiden starken Trecker zu schwach waren. Man musste noch das Stracke´sche Lastauto vorspannen, die Zuschauer mussten schieben. Schließlich kam man mit vereinten Kräften ruckweise weiter. Auf dem »Platz der Jugend« ließ man den Wagen mit dem Stein stehen für Samstag hatte man sich genug gequält. Montags wurde metertiefes Loch geschaufelt, worin der Stein sein Fundament finden sollte. Am Nachmittag wurde er dann an den ihm zugedachten Platz gehoben.

An dieser Stelle, auf dem »Platz der Jugend«, steht der Stein nun und soll späteren Generationen ein Symbol für das gewaltige Geschehen unserer Zeit sein, in der es unserem Führer gelang, ein einiges Deutschland zu schaffen. Dieser Platz hat bereits historischen Wert, denn bekanntlich wurden im vorigen Jahre hier am 1. Mai die Adolf-Hitler-, die Paul-von-Hindenburg-und die Horst-Wessel-Eiche gepflanzt.

Somit haben Balver Bürger ein Denkmal für den Tag der Arbeit gesetzt, wie es westfälischer und symbolischer für diesen Zweck nicht hätte sein können.

Dass das Phänomen der NS-Weltanschauung und seine verheerenden Auswirkungen in keiner Weise erkannt waren, zeigt unter anderem die Tatsache, dass am 10.12.1933 die frischgekürte Leiterin der NS-Frauenschaft ganz unbefangen erklärte, sie hoffe, vor allem mit den beiden kirchlichen Frauenverbänden, dem katholischen Frauenbund und der evangelischen Frauenhilfe, hier in Balve gut zusammenarbeiten zu können.

Am 4.5.1934 wurde in der Hönnezeitung angekündigt, dass in den nächsten Wochen von Essen fünf Extrazüge mit ca. 1000 Tagesgästen unser schönes Balve respektive Hönnetal besuchen würden. Am 13.5.1934 trafen 1000 Eisenbahner aus Essen im Tal ein. Viele stiegen bereits in Klusenstein, Binolen und Sanssouci aus. Der Rest besuchte die Stadt Balve. (..)

Am 15.5.1934 teilte die Stadt Balve dem Musikverein mit, dass nach den geltenden Bestimmungen der Reichsmusikkammer (Fachverband B, Ortsgruppe Arnsberg) kein Verein und kein Gastwirt von sich aus Musiker engagieren könne. Man müsse vielmehr zehn Tage vorher beim Arbeitsamt ein Genehmigungsgesuch einreichen. Wörtlich schrieb die Stadt: “Berufsmusiker müssen die braune Karte (Ausweis der Reichsmusikkammer) haben oder Tageslizenzen, die von Musikdirektor Hahn in Arnsberg ausgestellt werden“.

Entsprechend der Ankündigung vom 4. Mai trafen in den nächsten Wochen weitere Sonderzüge ein, jeweils am Bahnhof mit Musik begrüßt wurden. Auch die Besichtigung des Heimatmuseums bildete einen Teil des Programms

Am 9. Juni 19.4.1934 teilte das Arbeitsamt mit, dass der Balver Musikverein bei einem Aufmarsch der Kreisbauernschaft in Arnsberg am 10.6.1934 für die Bauern des Amtes Balve spielen dürfe.

Am Sonntag, dem 17. Juni 1934, fand in Balve einen „großes Treffen der SA“ statt. Die „Rote Erde“ schrieb in ihrer Vorankündigung am 15.6.1934: “Der gesamte Sturmbann II der Standarte 218 wird in unserer Stadt einen großen Aufmarsch haben. Dies ist umso bedeutungsvoller, als auch an diesem Sonntag wieder ein Sonderzug der Eisenbahner aus Essen in Balve sein wird und auch die sportlichen Kämpfe des ganzen Sturmbanns hier ausgetragen werden.“ Das Tagesprogramm hatte folgenden Verlauf: „8:15 Uhr: Gottesdienst in der Balver Pfarrkirche, 9:00 Uhr: Sportwettkämpfe auf dem DJK Platz, 14:00 Uhr: Antreten der SA-Formationen auf dem DJK-Platz zum Aufmarsch“. Am Abend fanden die „Sportbälle“ in den Gaststätten von Balve statt.

In der gleichen Ausgabe der „Roten Erde“ vom 15.6.1934 wurde der Inhaber der Gaststätte “Sanssouci“ scharf angegriffen, weil er „unter Beschimpfungen gegen den Nationalsozialismus und dessen Gaupresse“ es abgelehnt hatte, die „Rote Erde“ zu beziehen. Diesen Artikel bringen wir nebenher im Faksimile (siehe folgenden Exkurs). Im Übrigen hat es anscheinend keine größeren Folgen für Herrn Wienböker gehabt, denn er hat bis 1938 seinen Betrieb in Sanssouci weitergeführt. Dann übernahm Fritz Born aufgrund vertraglicher Abmachungen die Gastwirtschaft.

Exkurs: „Stichworte“ der Westf. Landeszeitung „Rote Erde“ vom 15. Juni 1934 gegen den Pächter des „Ausflugslokals Sanssouci, Wilh. Wienböker.

Stichworte:

Das herrliche Tal im Sauerland ist weit und breit bekannt und wird besonders von Hagenern sehr gern als Erholungsstätte aufgesucht. Mitten in diesem idyllischen Tal liegt das bekannte Ausflugslokal »Sanssouci«. Dass der Pächter dieses Lokals als einer der schwärzesten Reaktionäre anzusprechen ist, dürfte den meisten Besuchern nicht bekannt sein. Dieser Gastwirt konnte es z.B. nicht unterlassen, vor einigen Tagen einen höflich bei ihm vorsprechend Werber der WLZ gegenüber in der pöbelhafteten Weise gegen den Nationalsozialismus und dessen Gaupresse hetzen. In Zeiten der Bonzokratie gaben sich außer Zentrumsleuten aus der näheren Umgebung in der Hauptsache Juden mit ihren »Dämchen« ins Sanssouci ein Stelldichein. Nach dem Gebaren des Wirtes muss angenommen werden, dass er auch heute noch auf solche Gäste besonderen Wert legt; das mag erhalten wie er will. Sicherlich aber werden sich alle wahrhaften Nationalsozialisten und vor allem unsere Parteigenossen das Betragen des Sanssouci-Wirtes merken und nur dort verkehren, wo der Gastwirt eine andere Auffassung vom Nationalsozialismus hat und im übrigen auch eine nationalsozialistische Zeitung hält.

Was die Beleidigungen angeht, die sich der Pächter der „Sanssouci“ hat zu Schulden kommen lassen, so wird darüber an anderer Stelle noch ein sehr deutliches Wort gesprochen werden.

Am Samstag, dem 23.6.1934, fand eine „Sonnenwend-Feier“ statt; im Festzug spielte der Musikverein Balve, sicherlich mehr gezwungen als freiwillig. Dass die Nationalsozialisten in Balve genau Bescheid wussten, geht aus dem Zeitungsbericht hervor. Sicherlich nicht zufällig sprach der Redner von der “Jämmerlichkeit der Spießer, Nörgler und Besserwisser“. Man hatte ihn vorher über die Balver Situation informiert.

Im Sommer 1934 wurde das frühere Freibad in der Borke (im Tiefenthal, rechts kurz vor der Mellener Borkebrücke) eröffnet. Es war dies für Balve ein Novum, zumal dort „gemeinschaftlich“ gebadet und geschwommen wurde. Es war daher aus der Zeit heraus verständlich, dass dies damals noch von vielen Bürgern als „anstößig“ empfunden wurde. Nach einer gewissen „Gewöhnungszeit“ wurde das Freibad jedoch von vielen Jugendlichen, aber auch von manchem Erwachsenen benutzt. Nach dem Kriege wurde das Freibad geschlossen.

Am 20.6.1934 erhielt der Musikverein die Mitteilung, dass sein Antrag, als Mitglied der Reichsmusikkammer angeschlossen zu werden, genehmigt worden sei. Wörtlich hieß es weiter: „Die Gebühren von Reichsmark 54,- sind bezahlt. Der Musikverein ist somit mit meiner jeweiligen Genehmigung spielberechtigt“. (Man merke, welche Bürokratie und welcher “Machtapparat“ sich hier offenbarte!).

(Röhmputsch … Staatsakt Hindenburg …).

Nach einem HZ-Bericht vom 29.8.1834 trat Dr. van Bömmel in der letzten Generalversammlung des Kriegervereins als Vorsitzender zurück. Justizsekretär Hermann Herdes übernahm vorläufig, bis zur Bestimmung eines „Vereinsführers“ durch den „Kreisverbandsführers“, das Amt des ersten Vorsitzenden. Die „Gleichschaltung“ mit den Gliederungen der Partei setzte sich fort. Im Kriegerverein wurden die bisher üblichen demokratischen Methoden durch „Führung von oben“ ersetzt.

Am Sonntag dem 9.9.1934 fand eine große Übung der Feuerwehr mit der Sanitätskolonne statt. Die Presse berichtete hierüber am 11.9.1934 und schrieb unter anderem wörtlich: “Im geschlossenen Zuge marschierten die Feuerwehren mit der Sanitätskolonne unter Vorantritt der “Balver Sturmbannkapelle“ zur Höhle“. Später hieß es wieder wörtlich: „Der Vereinswirt Wilhelm Scheele und der Balver Musikverein sorgte dafür, dass die zahlreichen Besucher noch recht lange in der Höhle verweilten.“ In diesem angeführten Bericht vom 11.9.1934 wurde der Musikverein Balve zum letzten Mal in der Presse als SA-Kapelle bezeichnet.

Am 14.9.1934 verfügte der Landrat des Kreises Arnsberg eine neue Zusammensetzung der Gemeindevertretung. Es gehörten der Vertretung außer dem Gemeindeführer (Gemeindevorsteher) Carl Streiter und dem zeitigen Ortsgruppenleiter der NSDAP sowie dem Führer der Balver SA die Ratsherren Friedrich Thiemann, Johann Schäfer, Fritz Burges und Johannes Bercken an. Die 1933 gewählten Gemeindevertreter waren durch diese Verfügung nunmehr endgültig „ausgeschaltet“. Ihre Rechte waren seit Anfang 1934 bereits erheblich beschnitten worden. Nach dem Verlust des Stimmrechts hat sich bereits Anfang 1934 die Mehrzahl von ihnen zurückgezogen.

Am 30.9.1934 teilte die „Reichsmusikerschaft in der Reichsmusikkammer“, Nebenstelle Arnsberg, dem Balver Musikverein die Genehmigung, zum Balver Erntedankfest zu spielen. (..)

Am Sonntag dem 28.10.1934, am Christkönigsfest, wurde zum Abschluss eines Triduums im Rahmen einer Missionserneuerung ein großes Kreuz auf dem Schieberg eingeweiht, welches einige Tage vorher dort errichtet worden war. Dieses gewaltige Zeichen christlichen Glaubens war auch ein Zeichen Balver Glaubenstreue in den Wirren jener Zeit, die 1945 ihren Abschluss fand. (Fußnote des Verfassers: Das Kreuz auf dem Schieberg ist der Lauf der Nachkriegsjahre zugewachsen. Tannen haben ihr natürliches Wachstum. Der Querbalken des Kreuzes liegt auf dem Boden. Es wäre an der Zeit, sich mit der Wiedererrichtung des Kreuzes an dieser oder einer anderen Stelle zu befassen).

Am 1.12.1934 übernahm Anton Romberg die Amtsgeschäfte als Amtsbürgermeister von Balve. Er stand bis Kriegsende an der Spitze der Balver Verwaltung. Sein Stellvertreter war Kaufmann Carl Streiter.

Am 8.12.1934, Mariä Empfängnis, hielt der Trägerverein eine Generalversammlung im Hotel Kohne ab. Rund 80 Kameraden hatten sich eingefunden. Der Musikverein spielte alte Märsche. Die Versammlung gedachte des verstorbenen Kameraden Heinrich Kohne. Es wurde Beschwerde darüber geführt, dass im Ehrenmal „flirtende junge Leute“ beobachtet worden seien. Um dieses zu verhindern wurde angeregt, ein Gitter anzubringen. (…)

(p.72: diverse Mitteilungen…)