Am 13. Februar 1937 berichtete die Hönnezeitung unter anderen, dass in Balve seit einigen Tagen die „Braune Schwester“ Lydia tätig sei. Die NS-Partei, hart und unerbittlich in der Verfolgung ihrer politischen Gegner und der jüdischen Bevölkerung, wollte durch diese „karitative“ Tätigkeit über den wahren Charakter ihrer Ideologie hinwegtäuschen.

In den frühen Morgenstunden des 26.3.1937 (Karfreitag) wurden der Kreuzweg und die Piuskapelle von frevlerischen Händen geschändet. Die Hönnezeitung berichtete hierüber am 3. April 1937, nachdem bereits andere Tageszeitungen ausführlicher hierüber geschrieben hatten. Unter der Überschrift „Schurkerei“ hieß es wie folgt in der Hönnezeitung: „Wie schon in auswärtigen Zeitungen berichtet, drangen unbekannte Täter nachts in die Piuskapelle ein, wo sie allerlei Sachen stahlen oder beschädigten. Die Schurken haben sich nicht einmal gescheut, an fünf am Wege stehenden Stationen und einem Kreuze Verwüstungen anzurichten.“ Die katholische Pfarrgemeinde Balve schaltete aus Anlass der Kreuzschändung am 1. Oster-Nachmittag einen Trauergottesdienst mit anschließender Sühneprozession zum großen Kreuz auf dem Schieberg. Im Übrigen hatte am Karsamstag eine Passionsfeier stattgefunden, die vom Kirchenchor mitgestaltet worden war. Auf der Suche nach den Tätern „verirrten“ sich Polizei und Gestapo zu Pfarrer Boeddicker, Theodor Pröpper und anderen Balver Bürgern. Sie machten dort Hausdurchsuchungen und ließen sich die Schuhe zeigen, als wenn möglicherweise die „Vertreter der Kirche“ selbst die barbarische Tat begangen hätten. Man wollte von den wahren Tätern ablenken. Als ihnen Theodor Pröpper jedoch seine großen Schuhe (Nr. 47) zeigte, sah sogar die Gestapo ein, dass sie einer falschen Spur nachgegangen war.

Am Donnerstag, dem 1. April 1937, beging Hauptlehrer Josef Röhren sein 40-jähriges Lehrerjubiläum. Der Musikverein - fast alle Musiker waren seine Schüler - brachte ihm ein Ständchen. Der Jubilar spielte auch während der NS-Zeit - trotz seiner Mitgliedschaft in der NSDAP - die Orgel zum Gottesdienst in der Balver Pfarrkirche, falls Theodor Pröpper durch Krankheit oder durch den Besuch einer „Kirchenmusiker-Tagung“ verhindert war, was im Übrigen selten vorkam.

Lehrer Ernst Wassermeier blieb trotz seiner Weigerung, der NSDAP beizutreten, weiterhin im Amt. Auch bei seinen „Doppelkopf-Freunden“, die allesamt der Partei beigetreten waren, blieb er „persona grata“. Es wurde weiter „gemeinsam gespielt“, entweder im Hinterzimmer des Hotels Kohne oder „bei Sauers“ (Höhlenrestaurant). (…)

Um 21.4.1937 berichtete die Hönnezeitung über eine Versammlung des Balver Schützenvereins. Danach trat der Schützenverein Balve dem „Deutschen Schützenverband“ bei und wurde somit „gleichgeschaltet“. Kaufmann Franz Krüdewagen wurde erneut zum ersten Vorsitzenden gewählt. Nach den neuen Statuten war der Verein gehalten, ab sofort eine Schießgruppe einzurichten. (…)

Vom 14. Mai 19.7.1930 feierte Karl Hesse sen., „Opa Hesse“, die Vollendung seines 80. Lebensjahres. Die Zeitung schrieb, dass Karl Hesse bereits als zwölfjähriger Junge seinem Vater als Totengräber geholfen habe und auch jetzt noch im hohen Alter seinem Sohn bei dessen Tätigkeit als Totengräber behilflich sei.

In den Sommermonaten des Jahres 19.7.1930 war aus dem Schieberg wiederholt der Gesang einer Nachtigall zu hören, woran sich heute noch viele ältere Mitbürger erinnern. (…)

Am Sonntag dem 4.7.1937 traf ein weiterer Sonderzug, diesmal aus Essen, am Balver Bahnhof ein und wurde vom Musikverein Balve begrüßt und zur Stadt geleitet.

Am Mittwoch dem siebten siebte 1937 hielt die Molkereigenossenschaft in der Balver Höhle ihre Generalversammlung ab. Abends spielte der Musikverein Balve zum Tanz auf.

Am Sonntag dem 11.7.1937 traf ein Sonderzug aus Dortmund mit 1000 Teilnehmern in Balve ein, am 17. Juli kamen zwei Sonderzüge und vom 20. Juli ein weiterer Sonderzug aus dem Industriegebiet nach Balve. Die Sonderzug-Teilnehmer wurden mit Marschmusik vom Musikverein nach Balve geleitet.

Wie politisiert das tägliche Leben war, zeigt die Tatsache, dass am Sonntag, dem 25.7.1937, stattgefundene Generalversammlung des Balver Ziegenzucht-Vereins auch mit einem dreifachen „Sieg-Heil“ auf den „Führer“ geschlossen wurde.

Am Freitag, dem 6. August 1937, führte in der evangelischen Kirche eine kirchliche Laienspielgruppe aus Köln das religiöse Laienspiel „Der Ruf“ auf. Ca. 20 Schüler und Schülerinnen einer höheren Schule legten mit diesem Spiel ein Zeugnis ihres Glaubens ab.

Am 11. August 19.7.1937 wurde der verstorbene Oberlandesgerichtsrat Josef Cramer zu Grabe getragen. Musikverein und Kriegerverein begleiteten ihn auf seinem letzten Wege.

Am Sonntag, dem 15. August 1937, feierte der Musikverein ein großes Musikfest in der Balver Höhle. Die Hönnezeitung berichtete eingehend hierüber und erwies dem Musikverein ihre besondere Reverenz. Sie schrieb unter anderem: „Schon am Morgen hatten die braven Musiker der Tradition gemäß im Zylinderhut vor der Sparkasse (heute Wassmuth) ein Konzert veranstaltet. Hierbei konnte man als Erfolg der in der letzten Zeit verdoppelten Übungsstunden eine erhebliche Formverbesserung der Kapelle feststellen. Nach einem Umzug durch die Straßen der Stadt ging es nachmittags zur Höhle, wo sich bald ein festliches Treiben entwickelte. Das dargebotene Programm war gut gewählt und fand ungeteilten Beifall. Auch der mitwirkende Musikverein Werdohl überraschte wegen seiner vorzüglichen Leistungen. Die unter anderen Musikstücken meisterlich vorgetragene Ouvertüre „Dichter und Bauer“ und das „Soldaten-Potpourri“ lösten große Beifallsstürme aus. Gegen 18:00 Uhr spielte unsere Balver Kapelle zum Tanze auf, wovon die Jugend ausgiebigen Gebrauch machte“.

In einem Artikel zur Vorankündigung des Musikfestes hatte die Hönnezeitung am 11. August 1937 eine Aufstellung über die Anschaffung neuer Instrumente gebracht, die mit einem Gesamtkostenaufwand von Reichsmark 1.340,- aus der Vereinskasse zu bestreiten waren. Da der Verein seine Arbeit nicht allein aus den Beiträgen der Mitglieder finanzieren könne, bat die Hönnezeitung die Bevölkerung, möglichst zahlreich zum Fest zu erscheinen, um mit dem Eintrittsgeld den Musikverein zu unterstützen, zumal derselbe bei „politischen“ und „kirchlichen Veranstaltungen“ ohne jedes Entgelt spiele. (…)

Am 5.9.1937 wurde in der Pfarrkirche Sankt Blasius das „Spiel von den klugen und törichten Jungfrauen“ von Johannes Büchner aufgeführt. Am gleichen Tage verstarb Wilhelm Westhelle sen., letzter Balver Veteran von 1870/71. Seine Beisetzung fand auf dem Friedhof in Deilinghofen statt.  Der Kriegerverein und der Musikverein gaben ihm das letzte Geleit.

Am 3. Oktober 1937 fand wieder das Erntedankfest statt. Während 1936 der Erntedanktag mit einem gemeinsamen Gottesdienst aller Formationen und Teilnehmer begonnen hatte, entfiel ab 1937 der Festgottesdienst. Der Tag wurde durch das Wecken eingeleitet. Der Musikverein gab um 11:00 Uhr ein Platzkonzert, nachmittags war Festzug mit Erntewagen und Musik. Sicherlich wird auch an diesem Tag ein Dankhochamt oder eine Dankandacht gewesen sein. Die Veranstalter nahmen jedoch zum ersten Male Abstand davon, dieses in ihr Programm aufzunehmen. Jeder spürte und ahnte seit langem, dass die NSDAP ihre ablehnende Haltung gegenüber der Kirche mehr und mehr offen zu zeigen begann. Es hatte die Zeit begonnen, in der Theodor Pröpper in der Kirche durch das Lied „die Feinde deines Kreuzes droh´n, dein Reich, Herr, zu vernichten“ auf die Stunde hinwies, die seit langem geschlagen hatte.

Die 25-Jahr-Feier der Kolpingsfamilie Balve, gegründet am 6.10.1912, konnte 1937 nur in der Pfarrkirche gefeiert werden. Morgens war gemeinsame Eucharistiefeier. Am Abend wurde in einer Feierstunde in der Kirche ein „Christkönigs-Spiel“ aufgeführt. 1936 hatte die Kolpingfamilie noch geschlossen an einer Wallfahrt nach Werl teilgenommen. Der St. Josefs-Verein setzte auch in den nachfolgenden Jahren sein „Bekenntnis“ zu Christus immer wieder durch Gebet und interne religiöse Jugendarbeit fort. (…)

1937 konnte - auch in Balve - der Aufbau der NSDAP und ihrer Gliederungen als abgeschlossen betrachtet werden. HJ, BDM, SA, DAF, NSV, NS-Lehrerbund, NS-Beamtenbund, NS-Rechtswahrerbund und andere hatten auch in Balve ihre örtlichen Gliederungen oder zumindest Einzelmitglieder. Über die Tätigkeit der SS liegen seit 1934 keine Informationen aus Balve vor. Wahrscheinlich waren einzelne Mitglieder der SS aus Balve einer auswärtigen SS-Gruppe angeschlossen. Die Partei (NSDAP) hatte einen relativ hohen Mitgliederstand erreicht. Dazu hatten sicher viele Faktoren, unter anderem auch die Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die Durchführung einer Reihe von Entschuldungsverfahren (beim Mittelstand und in der Landwirtschaft), das „Erbhof-Gesetz“, die „Heimkehr des Saargebietes ins Reich“, das deutsch-britische Flottenabkommen (1935), der Einmarsch der deutschen Truppen in die „Entmilitarisierung Zone des Rheinlandes“ (1935), die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht (1935) und die Berliner Olympiade (1936) beigetragen. Es gab nun in Balve überall eine „zwei Klassen-Gesellschaft“, die „Parteigenossen“ und die „Volksgenossen“, wobei die letzteren von der Partei in „Laue“ und „Gegner“ eingeteilt wurden. Im Sauerland wurden die Gegner allgemein als „Schwarze“ bezeichnet. Die „Gegner“, darunter die Geistlichkeit und solche Personen die dem Klerus die Treue hielten, wurden „beobachtet“.

Schon damals wurden Predigten „mitgehört“ und „notiert“. Vor allem wurde darauf geachtet, ob nach der Verlesung von Hirtenbriefen die örtlichen Geistlichen „zusätzliche Äußerungen“ machten oder „persönliche Erklärungen“ abgaben. Auch in den Versammlungen der NSDAP und ihrer Gliederungen kam es mir nunmehr vor, dass auswärtige Redner gegen „die Kirche hetzen“, wie es der Volksmund damals ausdrückte: Bei einer solchen Veranstaltung im Kohneschen Saal verließen damals einige Mitglieder des Musikvereins (unter anderem Theodor Ruschepaul und Theodor Steinweg). Bereits 1935 bzw. 1936 hatten mehrere Balver Bürger (unter anderem Dr. August Kirchhoff und Amtsgerichtsrat Paul Börger) eine ähnliche Veranstaltung verlassen.

Auch bei der HJ wurden 1937 oder 1938 im Herbst bei einer Versammlung in der „Röhrenschen Klasse“ der damaligen Johannisschule vom Bannführer aus Arnsberg gegen die Kirche „gewettert“. Einige Mitglieder verließen daraufhin die Veranstaltung. Persönliche Folgen sind für die Beteiligten im Allgemeinen nicht eingetreten. Jedoch gab es Ausschlüsse und Austritte aus der Partei oder einer ihrer Gliederungen. Für Lehrlinge, Angestellte und Beamte im örtlichen Dienst, für künftige Abiturienten und Hochschüler war es jedoch ohne eine Mitgliedschaft in der Partei oder in einer ihrer Gliederungen schwierig, „weiterzukommen“. Eine besonders hässliche Hetze gegen die Kirchen entfaltete damals der „Schulungsbrief“ der NSDAP. Der „Stürmer“, der auch bei uns zeitweilig einen Aushängekasten hatte, betrieb eine so infame Judenhetze, dass kaum noch Passanten stehen blieben, um den „Stürmer“ zu lesen. Viele hätten sich geschämt, beim Lesen solcher Zeilen gesehen zu werden. Im Übrigen wurde seitens der Parteileitung auch manchem Parteigenossen Misstrauen entgegengebracht, denn es war der Ortsgruppenleitung nicht unbekannt, dass viele Parteigenossen zwar ab und an die „braune Uniform trugen“, tief im Herzenskämmerlein „aber schwarz geblieben waren“. (…)

In einer kirchenmusikalischen Feierstunde am 8. Dezember 1937 spielte Theodor Pröpper, wie die Hönnezeitung ankündigte, hervorragende Werke verschiedener Komponisten. Um Störungen zu vermeiden, waren die Kirchentüren ab 20:00 Uhr geschlossen. (…)