1939 hatte Balve 1913, das Amt Balve 7573 Einwohner. Balve hatte somit gegenüber 1933 um 162, gegenüber 1905 um 747 Einwohner zugenommen.

Am 4.1.1939 veröffentlichte die Hönnezeitung einen Artikel zum Dreikönigstag (6. Januar) mit der Überschrift „C - M - B“, was jedoch ein Irrtum war. Die drei Buchstaben bedeuten: „Christus mansionem benedicat“ (Christus möge dieses Haus segnen). Im Übrigen wurden in diesem Artikel christliche und heidnisch-germanische Vorstellungen verbreitet; nicht nur die Hl. Drei Könige, sondern auch Wodan und der „Hohneujahrstag“ wurden mehrfach zitiert.

Am 8.1.1939 veranstaltete die HJ um 10:00 Uhr morgens (während des Hochamtes) eine wichtige Besprechung in der Schule. Im Übrigen häuften sich im Laufe der Zeit solche Vorfälle, weil die HJ-Führung anscheinend den sonntäglichen Gottesdienstbesuch ihrer Mitglieder erschweren wollte. (…)

(…Mitteilungen über diverse Veranstaltungen – Tanz, Gottesdienste, Kappenball, Familienfeiern – folgen).

Am 1.3.1939 trafen sich unter Führung des Landeshauptmanns Kolbow führende Behördenvertreter (Provinz und Regierung) im Hotel Kohne in Balve, um über die Verwendung der Luisenhütte zu beraten. Es wurde beschlossen, die Luisenhütte als Museum einzurichten.  (…)

Am 19.3.1939 marschierten deutsche Truppen in der Tschechoslowakei (Böhmen und Mähren) ein. Die NSDAP veranstaltete einen Fackelzug durch Balve, an dem außer den Gliederungen der Partei auch die Feuerwehr unter Musikverein teilnahmen. Nach dem Fackelzug fand im Saale Kohne ein gemütliches Beisammensein statt. Der Musikverein spielte „flotte Märsche“. Aber auch im „schwarzen Balve“, wie es allgemein genannt wurde, sprach man insgeheim darüber, dass man nicht mehr davon ausgehen könne, dass Hitler seine Zusagen, die er den Unterhändlern der Westmächte anlässlich des Münchener Abkommens 1938 (Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich) gegeben hatte, künftig einhalten würde. In kleinen, vertraulichen Zirkeln wurde offen ausgesprochen, dass schon bald die „Lösung“ der Korridorfrage mit Polen den Ausbruch des Krieges bedeuten würde; in vielen Häusern ging die Kriegsangst um. (…)

Am Ostersonntag dem 9.4.1939 spielte der Musikverein beim Abbrennen des Osterfeuers. Auch das Kreuz auf dem Schieberg wurde an diesem Abend wieder angestrahlt.

In der letzten Ausgabe vor Ostern hatte die Hönnezeitung die Ankündigungen der katholischen Gottesdienste veröffentlicht, während im Übrigen kirchliche Nachrichten immer seltener bekannt gemacht wurden.

Am Abend des ersten Ostersonntags fand im Gasthof Sauer eine Tanzveranstaltung bei freiem Eintritt statt. Am Samstag dem 8.4.1939 hatte das Café Cordes „eröffnet“.

Am Dienstag nach Ostern, 11.4.1939, wurde auf dem „Balver Viehmarkt“ ein reger Umsatz getätigt. Auch Ferkel wurden, je nach Alter, in allen Preislagen gehandelt.

Am 20.4.1939 wurde - auch in Balve - der Geburtstag des „Führers“ gefeiert. Die Presse hatte darum gebeten, bereits einen Tag vorher zu flaggen. Am Morgen des 20.4.1939 wurde bereits um 7:00 Uhr durch den Musikverein „geweckt“. Abends um 20:00 Uhr marschierten die Gliederungen der NSDAP in den Kohneschen Saal, wo eine offizielle Feierstunde stattfand. Danach spielte der Musikverein Balve, vor allem für die tanzfrohe Jugend, zum Tanze auf. Nach dem Bericht der Hönnezeitung war der Saal Kohne an diesem Abend „brechend voll“.

Am 1.5.1939, am „Tag der Arbeit“, wurde nach dem üblichen Festzug abends im Hotel Kohne zum Tanz aufgespielt. Im Festzug und zum Tanzabend spielte der Musikverein Balve, der bereits um 6:00 Uhr morgens die Balver „geweckt“ hatte.

Für den Himmelfahrtstag am Donnerstag, dem 18.5.1939, erschien am 17. Mai ein Artikel in der Ortspresse, in dem auf den üblichen „Wandertag vor Pfingsten“ hingewiesen wurde. Der Artikel Schreiber sprach in diesem Zusammenhang von den „Gottsuchern“, ob sie nun in der Kirche oder im Wald ihrem Schöpfer begegneten. Die „Gottesbegegnung“ in der Natur entsprach den verschwommenen Gottesvorstellungen vieler NS-Anhänger. (…)

Am 10.6.1939 kamen zwei Sonderzüge mit insgesamt 2500 Gästen aus Bochum nach Balve. Der Musikverein geleitete sie mit Musik vom Bahnhof in die Stadt.

Am 8.6.1939 fanden die Fronleichnams- und am 25.6.1939 die Mitsommerprozession unter großer Beteiligung der Bevölkerung statt. Immer mehr Menschen wollten ein Zeugnis für ihren Glauben ablegen. Der Kirchenchor sang an den einzelnen Stationen, und der Musikverein spielte im Wechsel mit dem Gesang der Gläubigen. Die Fronleichnamsprozessionen fanden von 1939-1944 unter erschwerten Bedingungen statt, da ab 1939 der Fronleichnamstag nicht mehr zu den gesetzlichen Feiertagen gehörte. Sie sollen daher in einigen Jahren nur durch einen Umgang um die Kirche bzw. am folgenden Sonntag veranstaltet worden sein. Da das Pfarrarchiv aus dieser Zeit fehlt, sind genaue Angaben hierüber nicht möglich. (…)

Zum Schützenfest in Balve vom 15. bis 17.7.1939 stellte die Fliegerhorstkapelle Werl die Musik. Wegen der laufenden Ausgrabungen in der Balver Höhle mussten die Grabungsstellen mit entsprechend starken Bohlen und Brettern abgesichert werden. Zur Einstimmung auf das Fest brachte die Hönnezeitung das Gedicht:

Wer kennt in Deutschland eine Stadt,
die einen solchen Saalbau hat?
Nicht Gürzenich, nicht Fredenbaum
erreichen ihn an Flächenraum.
Den Saal, von Menschen nicht gemacht,
hat Gott gefacht und auch bedacht.
Drum bildet er in aller Welt
wohl auch das schönste Schützenzelt.

Aus der Hönnezeitung ist ersichtlich, dass es damals nur zwei Kompanien gab: die „Junggesellenkompanie“ und die „Verheiratetenkompanie“. Am Montag wurde Bernhard Berken Schützenkönig, der sich Frau Hilde Gercken zur Königin nahm.

Am 20.7.1939 veranstaltete die Molkerei ihre Generalversammlung in der Balver Höhle. Nach dem offiziellen Teil blieb man bei Frohsinn und Tanz noch lange beieinander. Es spielte der Musikverein Balve.

Zur Generalversammlung des Bullenhaltungs-Vereins Ende Juli 1939 spielte nach der Versammlung die Musikkapelle Balve in der Höhle zum Tanze auf. Vorher war eine Tierschau.

Am 23.7.1939 und am 6.8.1939 trafen weitere Sonderzüge aus dem Ruhrgebiet in Balve ein. (…)

Anlässlich der Abrechnung des Schützenvereins am 20.8.1939 spielte der Musikverein zum Tanze auf. Im Verlauf des Abends trug ein Schützenbruder das Gedicht vom „Schneider und der Geiß“ vor. Dazu spielte die Kapelle „Du munteres Rehlein, du“. Dieser Vorgang löste allgemeine Heiterkeit aus und hatte, wie die Hönnezeitung bemerkte, einen Zusammenhang mit Ereignissen auf dem Schützenfest.

Am 1.9.1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. Der Krieg, der mit seinen schrecklichen Folgen in ganz Europa und der Welt über fünf Jahre lang wütete, ließ keinen Raum für fröhliche Feiern und Feste. An ihre Stelle traten Tod und Trauer. Der „Feldzug“ gegen Polen war nach 18 Tagen beendet, das Land war verwüstet und die polnische Armee besiegt. Auf beiden Seiten waren viele Opfer zu beklagen. Hitler rühmte sich nach dem schnellen Feldzug: „Mit Mann und Roß und Wagen hat sie der Herr geschlagen!“ Dieser Satz offenbarte die ganze Hybris eines Mannes, der wenn er von der „Vorsehung“ sprach, möglicherweise sich selbst meinte.

Dr. August Kirchhoff befand sich am Tage des Kriegsausbruchs auf einer Reise (mit Wohnwagen!) Im Schwarzwald. Er wurde über den Rundfunk aufgefordert, sich sofort nach Hause zu begeben. Anschließend trat er seinen Dienst als Truppenarzt an, der ihn zunächst nach Elbing, später nach Krakau führte, wo er zuletzt als Oberfeldarzt tätig war. Mit dem Näherrücken der russischen Truppen wurde das Lazarett in Krakau aufgelöst. Dr. Kirchhoff kehrte im November 1944 nach Balve zurück und nahm seine Tätigkeit als Belegarzt im Krankenhaus und in seiner eigenen Praxis wieder auf. Er wurde nach dem Kriege „Chefarzt des St. Marien-Hospitals“. Beim Einmarsch der Amerikaner zeigte er sich den GI´s, als sie sein Haus kontrollieren wollten, im „weißen Arztkittel“. Die Soldaten wurden höflich und sahen von einer Kontrolle ab. Kurze Zeit darauf wurde das Haus Kirchhoff jedoch von den Besatzungstruppen beschlagnahmt. Familie Kirchhoff wohnte während dieser Zeit in dem der Kirchengemeinde gehörenden „Haus Dr. Menne“. Vom 20.2.1941 bis 1.11.1944 - mit einer Unterbrechung von einem Jahr (Kriegsdienst) von 1942 auf 1943 - vertrat Dr. Josef Tuschen als „Belegarzt und Operateur“ seinen Kollegen Dr. Kirchhoff im Balver Krankenhaus. Dr. Tuschen betreute im Übrigen die Praxis von Dr. Hugo von Bömmel, der zur Wehrmacht eingezogen war und aus dem Kriege leider nicht zurückkehrte.

Auch Dr. Hans Menne wurde sofort mit Kriegsbeginn als Heereszahnarzt eingezogen. Er hatte zuletzt den Rang eines Stabsarztes. Dr. Menne geriet 1945 in englische Gefangenschaft, aus der er erst 1946 zurückkehrte.

Am 13.9.1939 berichtete die Ortspresse über den rüstigen Fortschritt der Ausmalungsarbeiten in der Kirche. (…)

Am 28.10.1939 wies die Industrie-und Handelskammer in einem Bericht der Hönnezeitung auf die Tatsache hin, dass der Allerheiligentag kein gesetzlicher Feiertag sei und daher an diesem Tage voll gearbeitet werden müsste. Es sei nicht zu vertreten, dass einzelne Geschäfte schlossen und Arbeiter und Angestellte nicht zur Arbeit erschienen. Aus diesem Artikel wird ersichtlich, dass viele Katholiken an kirchlichen Feiertagen ihre Geschäfte nicht geöffnet hatten. (…)

Am Freitag dem 22.12.1939 kam das „Christkind in den Kindergarten“. Nach dem Bericht der Hönnezeitung wurde während der Feierstunde aber mehr vom „Weihnachtsmann“ als vom „Christkind“ gesprochen.

Am 23.12.1939 berichtete die Hönnezeitung über eine Versammlung der NSDAP, in der die „Mutterkreuze“ an kinderreiche Mütter vergeben wurden. 15 Mütter erhielten das Kreuz in Gold, 24 in Silber und 14 in Bronze. Nach der Verleihung der „Mutterkreuze“ führten die „Jungmädel“ ein Märchenspiel vor. (…)

Am zweiten Weihnachtsfeiertag feierten die Soldaten der „Balver Garnisonstadt“  - Balve hatte für längere Zeit Einquartierung – „Soldatenweihnacht“. Außer einer fröhlichen Feierstunde wurde auch getanzt. In der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1940 sank das Thermometer auf 26° unter den Gefrierpunkt.