Am 18.2.1940 fand im Gasthof Krüdewagen ein „Generalappell“ der Kriegerkameradschaft (früher: Kriegerverein) statt. Theodor Werthschulte wurde erneut zum Vorsitzenden berufen. Es wurde mitgeteilt, dass den Soldaten Ende 1939 „Liebesgabenpakete“ geschickt worden seien. An die Versammlung schloss sich ein gemütliches Beisammensein „bei einem Glase Bier“ an.

Zu Ostern 1940 entfielen in der Presse alle Mitteilungen kirchlicher Art. Ein Artikelschreiber bemühte Goethe und seinen Osterspaziergang, den Osterhasen und die Ostereier, um auf das Fest hinzuweisen.

Am 12.4.1940 verzog der ehrenwerte jüdische Mitbürger David Bondy im Alter von 72 Jahren von Balve in das jüdische Altersheim in Unna, Düppelstraße Nr. 7. Von 1940 bis zu seiner „Umsiedlung“ im Jahre 1942 nach Theresienstadt (Böhmen-Mähren) - er kündigte sie mit seiner letzten Postkarte aus Unna vom 19.7.1942 an - konnte David Bondy mehrfach seine Balver Nachbarn, darunter die Familien Allhoff und Falke, besuchen. Er wurde dort regelmäßig „verproviantiert“ und mit Wäsche und Kleidungsstücken ausgestattet. Das hierbei David Bondy und seine Nachbarn weitestgehend unbehelligt blieben, muss hier positiv vermerkt werden. Hat es doch Orte gegeben, wo Personen, die Kontakte mit Juden hatten und sie unterstützten, von der Gestapo schärfsten Verhören unterzogen wurden. Von Unna wurde er 1942 nach Theresienstadt (Böhmen-Mähren) „übergesiedelt“, wo er im Rahmen der „Endlösung der Judenfrage“ umgebracht wurde. Nach einer anderen Version (Aussage des verstorbenen Amtmannes Franz Dransfeld) soll David Bondy kurz nach Erhalt der Mitteilung über seine bevorstehende „Umsiedlung“ noch in Unna verstorben sein. War dies vielleicht eine „Wunsch-Aussage“ des verstorbenen Amtmanns?

Am 20.4.1940 feierte die Balver NSDAP „Führers Geburtstag“, an dem, wie die Ortspresse berichtete, die Bevölkerung von Balve geschlossen teilnahm. Wenn man diese Zeilen liest, spürt man die schreckliche Übertreibung: Der Saal Kohne fasste höchstens 200-300 Personen, Balve hatte aber annähernd 2000 Einwohner. Im Übrigen gab es viele „Volksgenossen“, die grundsätzlich an keiner Parteiveranstaltung teilnahmen. Parteigenosse Anton Romberg wurde für 15-jährige Mitgliedschaft in der NSDAP geehrt. Über die Feier des 1. Mai 1940 wurde in der Ortspresse nicht berichtet. Es wurde lediglich darauf hingewiesen, dass auch und gerade im Kriege der deutsche Arbeiter das Recht habe, den “Tag der Arbeit“ feierlich zu begehen. Der Musikverein nahm an dieser Veranstaltung nicht teil.

Für den Himmelfahrtstag, den 2.5.1940, wies die Hönnezeitung auf den „Wandertag“ hin und schrieb u.a. wörtlich: „Wandern, nein? Ja! Erst recht im Krieg.“

Durch die Änderung der Feiertagsordnung galten im Kriege nur noch folgende kirchliche Feiertage als gesetzliche: Karfreitag, 2. Ostertag, Himmelfahrt, 2. Pfingsttag, 1. und 2. Weihnachtstag.

Vor Pfingsten wurde in der Presse auf erhebliche Reisebeschränkungen vom 9. Mai bis 14. Mai hingewiesen, da infolge der starken Beanspruchung der Reichsbahn für kriegswichtige Aufgaben Sonderzüge nur in beschränktem Umfang eingesetzt werden könnten.

Am 10.5.1940 begann der »Westfeldzug«. Nach der Besetzung der Niederlande und Belgiens erfolgte am 22.6.1940 der Abschluss eines Waffenstillstandsvertrages zwischen Deutschland und Frankreich, Dänemark war am 9.4.1940 kampflos besetzt worden. Die Besetzung Norwegens erfolgte gegen erbitterten Widerstand norwegischer, französischer und englischer Truppen und war am 10.6.1940 abgeschlossen.

In einer Generalversammlung des Schützenvereins am 14.7.1940 wurde die Einheitssatzung angenommen. Franz Krüdewagen wurde erneut zum Vorsitzenden ernannt.

Am 10.8.1940 berichtete die Zeitung von der Ernennung des gebürtigen Balver Prof. Dr. med. Wilhelm Keppler zum Obermedizinalrat. (…)

Am Dienstag, dem 24.9.1940 fand wieder der Balver Viehmarkt statt. Dies war auch im Kriege sehr wichtig, da die meisten Haushalte sich ein oder mehrere Schweine hielten. (…)

Am 9.11.1940 wurde in einer kurzen Feierstunde der »Toten der Bewegung« gedacht. Der Musikverein nahm an dieser Veranstaltung nicht teil. (…)

Am 15.11.1940 erhielten die Schülerinnen und Schüler der Volks-und weiterführenden Schulen zum letzten Mal eine Noten für das Fach »Religion«, da seit dieser Zeit in den Schulen kein Religionsunterricht mehr erteilt werden durfte. Trotz des Krieges wagten die Machthaber diesen »schulischen Einschnitt von größter Tragweite«, der im Übrigen gegen die einschlägigen Bestimmungen des »Reichskonkordats« verstieß. Sie nahmen auch keine Rücksicht auf die Soldaten der Wehrmacht, die für »neue Aufgaben« bereit zu stehen hatten.

Am 8.12.1940 hielt die »NS-Frauenschaft« eine »Adventsfeier« ab, in der den Frauen Rezepte für die Weihnachtsbäckerei ausgehändigt wurden. Da viele Backzutaten infolge des Krieges knapp waren, mussten sich die Hausfrauen für die Weihnachtsbäckerei allerhand einfallen lassen. In dem Zeitungsbericht war vom christlichen Advent keine Rede.

Am 21.12.1940 erschien in der Zeitung ein Gedicht mit der Überschrift: »Kind in der Krippe« von Ernst Kurt Exner. In diesem kurzen Gedicht konnte man noch christliche Spuren entdecken.