Am 11.1.1941 wurde in der Ortspresse darauf hingewiesen, dass es nunmehr gelte, »vom Lichterbaum« Abschied zu nehmen. Am 22.2.1941 wies die Zeitung darauf hin, dass es im Kriege selbstverständlich nicht erlaubt sei, Fastnacht zu feiern.

Am 16.3.1941, anlässlich der Helden Gedenkfeier, die von »Musikvorträgen« umrahmt war, sprach Amtsbürgermeister Anton Romberg zu Ehren der Gefallenen vor dem Ehrenmal. An der Feierstunde nahmen die Formationen der NSDAP geschlossen teil. Von der Teilnahme anderer Vereine wurde nicht berichtet. (…)

Zum Osterfest 1941 (13. April) sprach die Zeitung nur noch vom Osterhasen und vom Frühling.

Am Freitag dem 18.4.1941 zeigte die Bildstelle der NSDAP im berüchtigten Film »der ewige Jude«. Es ist nicht überliefert, wie viele Balver sich diesen »Streifen« angesehen haben.

Am 20. April 1941 (»Führers Geburtstag«) wurde um 11:00 Uhr im gut besetzten Saal des Hotels Kohne eine Morgenfeier veranstaltet. Es spielte der Musikverein Balve.

Von den Feiern am 1. Mai 1941 fanden sich keinerlei Aufzeichnungen in der Ortspresse. Mitte Juni 1941 musste die Zeitung ihr Erscheinen einstellen, sodass nach 1941 Berichte über die Ereignisse im Kriege fehlen.

Am 22.6.1941 begann der Russlandfeldzug, der auch vielen Balver Mitbürgern das Leben kostete. Mit dem Überfall auf Russland begann der grausamste Teil des zweiten Weltkrieges auf den europäischen Kriegsschauplätzen. Er endete mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 in Berlin.

Am 2.12.1941 verstarb Sparkassendirektor Heinrich Cramer, Sohn des 1913 verstorbenen Sparkassenrendanten Heinrich Cramer, welcher sich seinerzeit maßgeblich um die Gründung des Balver Musikvereins bemüht hatte. Heinrich Cramer jun., stets Gönner und Förderer des Musikvereins Balve, hatte sich immer wieder aus nächster Nähe an den Platzkonzerten des Musikvereins erfreuen können, die meistens vor dem Hause von Fräulein Theresia Lübke, heute Bäckerei (Eisdiele) Tillmann an der Hauptstraße stattfanden. Der Verstorbene hatte sich auch als Mitglied des Vorstandes der Balver Molkereigenossenschaften stets um ein gutes Verhältnis zum Musikverein Balve bemüht. Viele Molkereifeste wurden vom Musikverein Balve mitgestaltet. Zum Nachfolger Heinrich Cramers wurde Wilhelm Holin bestellt. Nach dessen Einziehung zum Wehrdienst übernahm Sparkassenrendant Wilhelm Klein die Leitung der Kasse. (…)

Infolge des immensen Rüstungsbedarfs der Wehrmacht und des eingetretenen Rohstoffmangels wurden 1942 - wie schon im Ersten Weltkrieg , die Glocken der Balver Pfarrkirche, dieses Mal alle bis auf die kleine »Cäcilienglocke« - zum Einschmelzen für Rüstungsgüter »eingezogen«. Sie wurden vom Turm herabgenommen und abtransportiert. Vorher war das Glockengeläute auf Schallplatten aufgenommen worden und wurde an Sonn- und Feiertagen, solange es noch gestattet war, »geläutet«. Bei zunehmendem Eindringen »feindlicher Bomber« in den »Luftraum des Reiches« durften nicht mehr »geläutet« werden, da dadurch dem Gegner angeblich die »Ordnung« erleichtert wurde.

Nach dem Beginn des Russlandfeldzuges wurden im großen Ausmaß überall Lazarette eingerichtet. Auch im Balver St. Marienhospital wurde seit dem Winterhalbjahr 1941/42 mehr und mehr Platz für verwundete Soldaten gemacht. Das Balver Lazarett wurde von einem Stabsarzt (zeitweise Dr. Üllner) geleitet und blieb auch nach dem 12.4.1945 (noch bis in den Sommer hinein) in Betrieb. Die Schwestern vom Orden des heiligen Vinzenz blieben auch im Lazarett Stationsschwestern. Hinzu kamen Rot-Kreuz-Schwestern - zu den ersten gehörte Fräulein Maria Allhoff - Wehrmachts-Sanitäter und zivile Hilfskräfte. Zeitzeugen berichten, dass beim Einmarsch der Amerikaner das Lazarett überfüllt gewesen sei. Die Verwundeten hätten teilweise in den Fluren untergebracht werden müssen. Sicherlich werden die amerikanischen Truppen auch im Balver Lazarett eine »Ausmusterung« von leichter Verwundeten vorgenommen haben, die bekanntlich aus dem Lazarett in die Kriegsgefangenschaft kamen. Hierbei wurde oft nicht zimperlich verfahren. In manchen Fällen konnten sich jedoch die deutschen Ärzte zugunsten der Verwundeten durchsetzen. Im Übrigen wurde auch die Landwirtschaftsschule bereits 1941 geschlossen und ihre Räume dem Lazarett zur Verfügung gestellt. (…)

Viele Balver Familien hatten im Laufe des Krieges einen oder mehrere Gefallene oder Vermisste zu beklagen. Josef                Pütter in seinem Buch »sauerländisches Grenzland im Wandel der Zeit« alle Balver Gefallenen (93) und alle Vermissten (89) namentlich aufgeführt. In diesen Zahlen sind auch die gefallenen und Vermissten der während des Krieges aus den zerbombten Städten und nach dem Kriege infolge der Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten im Balve zugezogenen Familien enthalten. Vom Musikverein Balve kehrten vier aktive Spieler, Herbert Grote, Josef Grote, Josef Nolte und Bernhard Ruschepaul nicht aus dem Kriege zurück. Josef Grote, Josef Nolte und Bernhard Ruschepaul wurden 1942/43 in Stalingrad vermisst, Herbert Grote starb an den Folgen eines Unglücksfalles (Rohrkrepierer) am 21.11.1944.

Im Verlaufe der NS-Herrschaft wurden mehrere Balver Mitbürgerinnen und Mitbürger von der Polizei, den örtlichen Behörden bzw. der Gestapo vorgeladen, wobei es auch zu Hausdurchsuchungen kam. Mitte der 30er-Jahre wurde der Schneidermeister Anton Schäfer nach dem Mellener Schützenfest verhaftet, weil er auf dem Fest die Äußerung getan hatte, dass »ihm kein Bier mehr schmecke, wenn er die ´kackgelben´ Uniformen sehe«. Er wurde für eine Nacht im Balver Amtsgerichtsgefängnis untergebracht, wo er - nach eigenen Aussagen, von Familie Lindemann bestens versorgt wurde. Von Balve aus kam er für einige Tage ins Gefängnis nach Iserlohn, wurde nach kurzer Zeit wieder entlassen und am Balver Bahnhof mit Blumen abgeholt. Wilhelm Scheele musste sich deswegen eines Verhörs unterziehen.

Wenn auch im Allgemeinen, trotz Anfeindungen, Bespitzelungen und Verhören, keine Weiterungen eintraten, muss dennoch für die Nachwelt die traurige Tatsache festgehalten werden, dass der angesehene jüdische Mitbürger damit Bondy, Mitglied des Kriegervereins Balve, und zwei weitere Mitbürger, die sich in einer Heil-und Pflegeanstalt befanden, Anfang der vierziger Jahre dem NS-Unrechtsstaat zum Opfer gefallen sind. Die »Euthanasiemorde« der Nationalsozialisten (Vernichtung sogenannten lebensunwerten Lebens) wurden erst gestoppt, nachdem der Bischof von Münster öffentlich scharfen Protest eingelegt hatte. Kardinal von Galen hatte in Hirtenbriefen und Predigten in der Domkirche zu Münster mehrfach das NS-Regime wegen dieser Morde hart angegriffen und verurteilt.

Im Übrigen war die Kriegszeit, auch was das alltägliche Leben der zu Hause Gebliebenen anbetraf, eine schmerzliche, traurige Zeit, was unter anderem auch aus den Berichten der Hönnezeitung, solange diese erscheinen konnte, deutlich hervorgeht. Politische Wochenberichte, Mitteilungen über Treuekundgebungen der Partei, die Ankündigung von Strafen für Bürger, die gegenüber Kriegsgefangenen nicht die gebotene Distanz wahrten, ein Bericht über ein »zeittypisches« Verfahren dieser Art gegen eine Balver Mitbürgerin, Todesanzeigen und ab und an kurze Mitteilungen über einen verstorbenen Mitbürger waren das wöchentliche Gesicht der Hönnezeitung, die zuletzt nur noch mit zwei Seiten erschien. Hinzu kamen kurze amtliche Mitteilungen und Verfügungen. Ankündigungen von kirchlichen Feiertagen unterblieben völlig. Lediglich in den Todesanzeigen kamen noch christliche Begriffe zum Ausdruck, da diese Texte von den Angehörigen vorgegeben waren. Berichte über gelegentliche Konzerte von Militärkapellen und Ankündigungen »nationaler Gedenktage« passten sich dem tristen Bild dieser Tage an.

In dieser schweren Zeit des Krieges war ein aktives kirchliches Leben zu verzeichnen. Regelmäßiger Besuch der Gottesdienste, heilige Messen, Andachten mit Andachten und Prozessionen waren fast allen Gläubigen ein Herzensbedürfnis. Für die Nachwelt muss festgehalten werden, dass die meisten Mitglieder der NS-Partei, von einigen »Hundertfünfzigprozentigen« und »Überängstlichen« abgesehen, regelmäßig am kirchlichen Leben teilnahmen. Auch die jährlichen Prozessionen, von denen die von Fronleichnamsprozession infolge der Verminderung der Zahl der gesetzlichen Feiertage unter erschwerten Bedingungen stattfand, erfreuten sich einer großen Beteiligung durch die Gläubigen. Sie wurden zum Teil auf verkürztem Wege oder durch einen Umgang um die Kirche abgehalten. In dieser schweren Zeit war das Orgelspiel Theodor Pröppers, der Gesang der Lieder, die bei besonderen Anlässen - zeitbezogen und bekenntnishaft - ausgesucht waren, Trost, Ermutigung und Kraftquelle für viele. Auch und gerade in dieser Zeit galt das immer gültige Wort: »Der Geist Gottes weht, wo er will!« Nachzutragen wäre noch, dass viele Balver immer wieder öffentlich den Mut hatten, in der Kirche und den kirchlichen Vereinen (Kirchenvorstand, Kirchenchor, St. Josef Verein, katholischer Deutscher Frauenbund, Jungfrauen-Kongregation) und in der Borromäus-Bücherei Ämter und Aufgaben zu übernehmen.

Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges waren auch die Aktivitäten des Musikvereins Balve nach und nach zum Erliegen gekommen, da die Männer im wehrfähigen Alter zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Ob die älteren Herren des Musikvereins, die »alte Garde«, während des Krieges noch an Heldengedenktagen und bei Prozessionen mit »kleiner Besetzung« gespielt haben, kann weder mit einem klaren »Ja« noch mit einem »Nein« beantwortet werden, da die Aussagen der Zeitzeugen uneinheitlich sind die Chronik der Pfarrgemeinde aus dieser Zeit völlig fehlt.