Im Frühjahr 1942 starteten die katholischen Frauen von Balve eine »Meßkofferaktion«. Die Meßkoffer waren für Geistliche bestimmt, die als einfache Soldaten im Felde standen, ohne das Amt eines Militärpfarrers zu bekleiden. Dennoch wurden die Frauen dieserhalb von der Gestapo ins Amtshaus zitiert und dort verhört. Auf die Frage der Gestapo, warum die Frauen diese Aktion unternommen hätten, bekam sie die Antwort: »Um den Soldaten an der Front, die auch geistlichen Zuspruch wünschen, zu helfen!«. Die Gestapoleute antworteten darauf: »Ein deutscher Soldat braucht nur gute Marschmusik!« Als ein Lehrling der Amtsverwaltung - man hatte ihn zum Kauf von Zigarren nach Josef Cordes geschickt - unverrichteter Dinge zurückkehrte, sagten die Gestapo Männer: »Balve, dies verdammte Drecksnest. Hier bekommt man nichts Gescheites zu essen und nichts zu rauchen!« Die Frauen wurden nach dem Verhör nach Hause geschickt. Sie erhielten am 11.8.1942 einen Strafbefehl des Amtsgerichtes Arnsberg über Reichsmark 30,00 zuzüglich Reichsmark 2,50 Verwaltungsgebühren. Dies war nach den damaligen Geldwertverhältnissen eine empfindliche Strafe. Es zeigt aber auch die ganze Verachtung der NS-Partei gegen das »Volk Gottes« und die Geringschätzung gegenüber den Frontsoldaten, die sich mit ihrer Kirche verbunden fühlten. Die Maßnahme der Gestapo war umso unverständlicher, als bekanntlich in der Wehrmacht bei den Divisionsstäben Feldgeistliche beider Konfessionen im Majorsrang tätig waren. Es zeigt aber auch, wie tief die Kluft zwischen Wehrmacht und Partei war. Zu den mutigen Frauen, die sich damals an der Sammlung für Meßkoffer beteiligt hatten, gehörten unter anderem Fräulein Theresia Schulte als Vorsitzende des Frauenbundes (»Schulden Tetta«), Frau Cilly Cordes (»Bettkes«), Frau Engels (Wocklum), Frau Elisabeth Falke, Frau Anna Hertin, Frau Lina Krüdewagen, Frau Anna Ruschepaul (»Andres«) und Frau Elisabeth Simon.