Verhandlung über die Errichtung eines Balver Heimatmuseums

Arnsberg den 17. März 1925

Am Montag, den 16. März 1925 fand verabredungsgemäß die Verhandlung über die Errichtung eines Balver Heimatmuseums und vor allem die wissenschaftliche Erschließung der Höhlen des Hönnetals in dem Dienstzimmer des Professors Wegner in der Universität zu Münster statt. Es nahmen außer den Unterzeichneten folgende Herren teil:

  1. Privatdozent Doktor Andrée
  2. Gemeindevorsteher Cordes, Balve
  3. Hauptlehrer H. D. Willecke, Balve und
  4. Hering, Balve.

Herr Professor Wegner ließ sich wegen Krankheit entschuldigen.

Nach eingehender Aussprache, in der noch besonders hervorgehoben wurde, dass der Leiter des Mendener Museums, Direktor Gluns, nicht in der Lage sei, eine ordnungsgemäße wissenschaftliche Durchforschung der Höhlen vorzunehmen, weil er dazu die erforderliche Vorbildung nicht besitze, was sich auch bei seiner bisherigen Tätigkeit bereits gezeigt habe - wie Herr Professor Andrée betont - wurde im Wesentlichen Folgendes vereinbart: 

  • Es findet eine systematische, wissenschaftliche Durchforschung sämtlicher Höhlen des Tals, soweit sie im Kreise Arnsberg belegen sind, statt.
  • Die Kosten hierfür übernehmen die betreffende Gemeinden - insbesondere Balve - sowie das Amt Balve und der Kreis Arnsberg. Die erforderlichen Arbeiter werden von diesem zur Verfügung gestellt. Berücksichtigt werden soll nach Möglichkeit bei den Arbeiten der auf diesem Gebiet bereits erfahrene Bergmann Falk aus Lünen, der für einen geringen Arbeitslohn - er bezieht Pension - die Arbeit in etwa auch leitend ausführen kann und will.
  • Im Übrigen finden sämtliche Arbeiten unter der direkten Leitung des Privatdozenten der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, Herrn Doktor Andrée statt, der eine geldliche Vergütung nicht beansprucht. Mit der Arbeit soll Mitte August dieses Jahres begonnen werden.
  • Sämtliche gefundenen Gegenstände sollen zunächst in Balve aufgehoben und repariert werden. Von den gefundenen Teilen bekommt die Westfälische Wilhelms Universität, soweit es sich nicht um seltene, wertvolle Stücke handelt, dasjenige, was sie für Ihr Museum notwendig hat. Bei den seltenen Gegenständen erfolgt eine Aufteilung dahingehend, dass 1/4 in das Eigentum der Universität übergeht und 3/4 mit den übrigen Fundstücken in dem Eigentum der vorgenannten Kommunen bzw. Kommunalverbänden verbleibt. Sollte über diesen Punkt irgend ein Streit entstehen, so entscheidet darüber ein beim prähistorischen Museum für Völkerkunde in Berlin zu bestellender Sachverständiger dieser Abteilung.
  • Herrn Professor Andrée wird gestattet, die wissenschaftliche Bearbeitung der durch Forschung unter entsprechender Würdigung und Berücksichtigung der Tatsache, dass Balve und der Kreis für die wissenschaftliche Erschließung der Höhlen besonderes Interesse und erhebliche Kosten aufgewendet haben, zu veröffentlichen. Entsprechende Exemplare der Veröffentlichung werden den Gemeinden, Amt und dem Kreise zur Verfügung gestellt.
  • Im Übrigen sorgt Herr Professor Andrée für die Errichtung eines in wissenschaftlicher und technischer Beziehung auf der Höhe befindlichen Heimatmuseums in Balve, dem auch Gipsabdrücke von wertvollen Stücken, die an das Museum in Münster gehen, zu geben sind; wie andererseits von den 3/4 wertvollen Stücken, die in Balve bleiben, dem Museum selbstverständlich Gipsabdrucke zur Verfügung gestellt werden.
  • Endlich übernimmt auch Herr Professor Andrée die Ausbildung des Hauptlehrers A. D. Willecke zum Museumsdirektor -leiter, was Vorbedingung für die Errichtung und das Bestehen des Balver Museums ist.

     

    Dr. Max Schenking (?)

              Landrat